Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage feiert rauschhafte Premiere
Am Donnerstag feierte Angélica Liddell mit ihrer neuesten Performance Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben im Volkstheater Premiere. Die zweistündige Produktion taucht ein in das Leben und den Tod jener, die sich selbst das Leben nahmen, mit einem besonderen Fokus auf den japanischen Schriftsteller Yukio Mishima.
Die Aufführung beginnt mit Liddells Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid, inspiriert von Mishimas ritueller Selbstverbrennung in einem Kurzfilm von 1966 und seinem späteren Seppuku im Jahr 1970. Sie inszeniert seinen Tod nach, verbindet düstere Reflexion mit schwarzem Humor – etwa in einer Szene, in der ein sich in Pose werfender Bodybuilder neben sich entkleidenden jungen Männern auftritt.
Liddells Theatercompany, Atra Bilis Teatro, sammelte für die Show Kleidungsstücke Verstorbener. Auf der Bühne trägt sie diese Kleidung, atmet ihren Geruch ein, um das Leid der Toten heraufzubeschwören. Der Höhepunkt der Vorstellung ist eine ekstatische Verteidigung des Suizids – ein Moment, der die Intensität der Produktion prägt.
Ein weiterer prägnanter Teil der Performance ist ein ritueller Akt, bei dem sich Liddell und eine japanische Darstellerin auf der Bühne Blut abnehmen und es vermischen. Diese Szene verstärkt die rohe emotionale und körperliche Wucht des Stücks. Liddells persönliche Verbindung zum Thema wird deutlich: Noch in diesem Jahr war sie Zeugin, wie sich eine Frau vom Madrids Gran Vía in den Tod stürzte.
Die Vorstellung hinterlässt einen bleibenden Eindruck durch ihre kühne Erforschung von Sterblichkeit und Ritual. Mit der Verwendung echter Kleidung und echtem Blut sowie der Nachstellung von Mishimas Suizid schafft Liddell ein eindringliches, fast körperlich spürbares Erlebnis. Das Stück bleibt als kraftvolle Auseinandersetzung mit Leben, Tod und den Entscheidungen dazwischen in Erinnerung.
