BMG leitet 20-Cent-Umlage von Pharma-Fonds in Notdienstversorgung um
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) plant Änderungen bei der Verwendung der Mittel für Apotheken. Eine bisher dem Pharmazeutischen Dienstleistungsfonds (pDL) zugewiesene Abgabe von 20 Cent pro Packung soll künftig stattdessen die Notdienstversorgung in Apotheken stärken. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer wachsenden Nachfrage nach außerplanmäßigen und dringenden pharmazeutischen Leistungen im gesamten deutschen Apothekennetz.
Im dritten Quartal verzeichnete der pDL trotz steigender Leistungsansprüche ein weiteres Wachstum. Insgesamt reichten 8.777 Apotheken Erstattungsanträge ein, während der Fonds fast 35 Millionen Euro einnahm. Nach Abzug der Verwaltungskosten standen über 548 Millionen Euro für die Verteilung zur Verfügung.
Die Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen stieg in diesem Zeitraum deutlich an. Die erweiterte Polymedikationsberatung – gerichtet an Patienten mit fünf oder mehr Medikamenten – nahm im Vergleich zum Vorjahr um 69 Prozent zu; 78.949 Personen erhielten eine entsprechende Unterstützung. Die Schulung zur korrekten Anwendung von Inhalatoren erreichte 91.274 Patienten (plus 18 Prozent im Jahresvergleich), allerdings sank die Zahl im Vergleich zum Vorquartal um 16 Prozent. Auch die standardisierten Risikobewertungen bei Bluthochdruck stiegen um 43 Prozent auf 44.527 Screenings.
Unterdessen schüttete der Not- und Nachtdienstfonds (NNF) im selben Quartal 11,3 Millionen Euro aus – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal und 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die zunehmende Inanspruchnahme von Notdiensten belastet die Ressourcen, wobei die Finanzierungsengpässe seit 2013 durch Lieferbeschränkungen und feste Preisregelungen verschärft wurden.
Ungeklärt bleibt jedoch der Umgang mit den angesammelten Rücklagen des pDL. Zwar übersteigen die Einnahmen kontinuierlich die Ausgaben, doch die anstehende Apothekenreform gibt bisher keine klare Auskunft darüber, wie diese Mittel künftig verwaltet oder umverteilt werden sollen.
Die Umwidmung der 20-Cent-Abgabe unterstreicht die Prioritätenverschiebung zugunsten der Notfallversorgung angesichts steigender Nachfrage. Da die Mittel des pDL weiterhin die Ausgaben übertreffen, wird der weitere Reformprozess entscheiden, wie die verbleibenden Reserven eingesetzt werden. Die Apotheken stehen derweil vor Unsicherheiten über künftige Förderungen – bei gleichzeitig wachsenden Anforderungen an ihre Dienstleistungen.






