Bundestag beschließt umstrittenes Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz mit weitreichenden Folgen
Stjepan HeinrichBundestag beschließt umstrittenes Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz mit weitreichenden Folgen
Der Bundestag hat ein neues Beschleunigungsgesetz verabschiedet, das den Bau großer Infrastrukturprojekte in Deutschland vorantreiben soll. Dazu zählen Autobahnen, Schienenwege und Wasserstraßen. Mit dem Vorstoß will die Politik die seit langem bestehenden Verzögerungen bei der Entwicklung wichtiger Infrastruktur angehen.
Das Gesetz ändert verfahrensrechtliche, planerische und umweltrechtliche Bestimmungen, um Genehmigungen zu beschleunigen. Projekte, die als „von höchstem öffentlichen Interesse und für die öffentliche Sicherheit von Bedeutung“ eingestuft werden, sollen von schnelleren Bearbeitungszeiten profitieren. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) argumentierte, das Gesetz werde weitere Verzögerungen verhindern und die Bürokratie entflechten.
Das Gesetz ist mit dem schuldenfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur in Höhe von 500 Milliarden Euro verknüpft. Bevor es in Kraft treten kann, bedarf es jedoch noch der endgültigen Zustimmung des Bundesrates. Kritik kommt von mehreren Seiten: Die grüne Verkehrsexpertin Swantje Henrike Michaelsen wirft dem Gesetz vor, den Umweltschutz und die Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit zu schwächen.
Der AfD-Abgeordnete Ulrich von Zons warnte vor möglichen Enteignungen und behauptete, das Gesetz schaffe eine faire Interessenabwägung ab. Der Linken-Politiker Jorrit Bosch verwies darauf, dass Personalmangel in den Behörden die eigentliche Ursache für Planungsengpässe sei – und nicht regulatorische Hürden.
Das neue Gesetz zielt darauf ab, Infrastrukturprojekte durch vereinfachte Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Nun muss es noch den Bundesrat passieren, um endgültig verabschiedet zu werden. Während Gegner befürchten, dass Umweltstandards und Bürgerbeteiligung auf der Strecke bleiben, sehen Befürworter darin einen notwendigen Schritt für den Fortschritt.
