Bürgergeld scheitert bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen – Reform ab 2026 geplant
Paul FischerFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Bürgergeld scheitert bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen – Reform ab 2026 geplant
Eine neue Umfrage zeigt, dass das deutsche Bürgergeld bei der Arbeitsvermittlung von Langzeitarbeitslosen kaum Erfolge vorweisen kann. Seit der Einführung des Grundsicherungssystems im Januar 2023 ist die Vermittlungsquote auf unter 20 Prozent gesunken – ein Rückgang gegenüber den etwa 25 Prozent unter dem alten Hartz-IV-System. Die Erkenntnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung eine Reform der Sozialleistungen ab Mitte 2026 vorbereitet.
Die von der Bertelsmann Stiftung zwischen April und Juni 2025 durchgeführte Studie befragte über 1.000 Arbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Fast die Hälfte gab an, dass die Besuche im Jobcenter ihre Jobchancen kaum verbessert hätten.
Ein zentrales Problem sind die zahlreichen Hürden, mit denen die Empfänger konfrontiert sind. Rund 46 Prozent nannten mehrere Hindernisse wie gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen. Dennoch bewerteten über zwei Drittel der Langzeitarbeitslosen die Leistung ihres Jobcenters als zufriedenstellend, fast drei Viertel bezeichneten das Personal als kompetent.
Offizielle Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) belegen einen Rückgang der Arbeitsvermittlungen seit 2023. Der Wechsel von Hartz IV zum Bürgergeld – mit weniger Sanktionen und höheren Leistungen – hat offenbar die Arbeitsanreize verringert. In der Folge ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen (über 12 Monate) gestiegen.
Die Bertelsmann Stiftung schlägt vor, dass Jobcenter stärker auf Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und direkte Stellenangebote setzen sollten. Bei Empfängern ohne größere Hindernisse empfiehlt der Bericht eine stärkere Eigeninitiative bei der Stellensuche – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit den Unterstützungsleistungen mindert.
Die Umfrage unterstreicht die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Als Reaktion hat der Bundestag eine Sozialreform beschlossen, die das Bürgergeld ab dem 1. Juli 2026 durch ein strengeres System ersetzen soll. Die neuen Regeln zielen darauf ab, die aktuellen Schwächen bei der Arbeitsvermittlung und Unterstützung zu beheben.






