30 June 2026, 00:08

Deutsche Industrie verliert 341.500 Jobs – und baut weiter Stellen ab

Bis zu 100.000 Jobs in Gefahr: Wohin die deutsche Industrie immer mehr abwandert

Deutsche Industrie verliert 341.500 Jobs – und baut weiter Stellen ab

Die deutsche Industrie steht vor massiven Arbeitsplatzverlusten und einer Verschiebung der Investitionsprioritäten. Der Chemiekonzern Evonik hat angekündigt, zusätzlich 3.200 Stellen abzubauen – vor allem in Deutschland. Bereits seit 2024 waren rund 2.800 Verwaltungsstellen gestrichen worden. Der gesamte Sektor verzeichnet seit Jahren einen kontinuierlichen Rückgang der Beschäftigtenzahlen.

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Bis zum ersten Quartal 2026 hatte die deutsche Industrie 127.300 Arbeitsplätze verloren, ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 summiert sich der Verlust auf 341.500 Stellen. Ein Hauptgrund für diese Entwicklung sind die hohen Lohnkosten, die 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen und mehr als doppelt so hoch sind wie in Asien oder Osteuropa.

Hinzu kommen steigende Zölle und Handelsbarrieren, die Unternehmen dazu veranlassen, eine „Produktion vor Ort für den lokalen Markt“-Strategie zu verfolgen. Unterbrechungen in den Lieferketten bleiben das größte betriebliche Risiko und führen dazu, dass Firmen Fertigung und Forschung ins Ausland verlagern. Als Hauptgründe für die Verlagerung von Standorten nennen deutsche Konzerne hohe Lohnkosten, übermäßige Bürokratie und teure Energie.

Auch die Investitionspläne spiegeln diesen Wandel wider: Rund 40 Prozent der Budgets bis 2030 fließen in den Erhalt bestehender Standorte in Deutschland sowie in Automatisierungsprojekte. Neue Kapazitäten und Arbeitsplätze entstehen jedoch vor allem im Ausland. Fast jedes befragte Industrieunternehmen plant bis 2030 eine Expansion in Indien, wo mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 4 Prozent gerechnet wird – allerdings werden durch Automatisierung und KI nur wenige neue Jobs geschaffen.

Nur 16 Prozent der Unternehmen wollen ihren Personalbestand in Deutschland aufstocken; eine ähnliche Zurückhaltung zeigt sich in Westeuropa. Stattdessen konzentrieren sich die Expansionsbestrebungen auf Indien, China, Nordamerika, den Nahen Osten und Afrika. Viele Firmen entwickeln zudem gezielt neue Produkte in China, um lokale Kunden besser zu bedienen. Fast die Hälfte bereitet vor, mehr Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ins Ausland zu verlagern.

Die Aussichten für die deutsche Industrie bleiben schwierig. Der Stellenabbau hält an, und Investitionen fließen zunehmend in die Aufrechterhaltung statt in den Ausbau der heimischen Produktion. Wachstum und neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen vor allem auf internationalen Märkten – getrieben durch Kostendruck und die Notwendigkeit, näher am Kunden zu produzieren.

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