25 April 2026, 18:13

Dresdner Obergraben-Presse: Wie ein geheimes Künstlerkollektiv die DDR-Kunst prägte

Eine handgezeichnete architektonische Skizze eines mehrräumigen Gebäudes mit einem Grundriss, der für die Universität Dresden beschriftet ist, begleitet von geschriebenem Text.

Dresdner Obergraben-Presse: Wie ein geheimes Künstlerkollektiv die DDR-Kunst prägte

Anfang der 1970er-Jahre begann in Dresden eine Gruppe von Künstlern ein kühnes Experiment im Bereich des Druckhandwerks und der künstlerischen Zusammenarbeit. Was als informelle Treffen begann, entwickelte sich bald zur Dresdner Obergraben-Presse – einem Kollektiv, das Kunst, Verlagswesen und Ausstellungen unter einem Dach vereinte. Das Projekt brachte Maler, Drucker und Theoretiker zusammen, zu einer Zeit, in der die künstlerische Freiheit in der DDR streng reglementiert war.

Die Wurzeln des Kollektivs reichen bis ins Jahr 1971 zurück, als der Künstler A.R. Penck die Gruppe Lücke mitbegründete. Obwohl sie sich 1976 auflöste, blieben ihre Mitglieder in Kontakt. In derselben Zeit verfeinerte Penck seine Theorie "Vom Untergrund zum Obergrund", in der er untersuchte, wie inoffizielle Kunst größere Anerkennung finden konnte.

Bis 1976 hatten sich Eberhard Göschel und Peter Herrmann der Arbeitsgruppe angeschlossen, die das Leonhardi-Museum in Dresden leitete. Ihre Mitwirkung verschaffte ihnen Zugang zu Räumlichkeiten und Ressourcen, die später entscheidend werden sollten. Zwei Jahre darauf zog Göschel in ein größeres Atelier um, wodurch eine Dreizimmerwohnung in der Stadt frei wurde. Dieser Ort entwickelte sich zu einem Zentrum des Experiments.

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Die technische Grundlage bildete eine italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die Peter Herrmann besaß und die Bernhard Theilmann akribisch restauriert hatte. Jochen Lorenz, ein erfahrener Drucker, der die Routineaufträge wie Fahrpläne satt hatte, sah hier eine Chance. Er suchte nach Projekten mit künstlerischer Tiefe – und die Presse bot sie. Gemeinsam gründeten sie die Dresdner Obergraben-Presse als Werkstatt, Verlag, Galerie und Künstlervereinigung in einem.

Die Presse fungierte sowohl als praktische Werkstatt als auch als radikale Aussage. Sie gab Künstlern die Möglichkeit, Werke außerhalb der staatlich genehmigten Kanäle zu produzieren und zu verbreiten. Zwar war ihre Existenz durch politische Restriktionen begrenzt, doch ihr Schaffen – Drucke, Bücher und Ausstellungen – hinterließ einen bleibenden Eindruck in der Dresdner Underground-Kunstszene.

Quelle