EMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz politischer Distanzierung
Emma KochEMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz politischer Distanzierung
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat mit seiner Entscheidung, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Tala Al-Sharif zu zeigen, eine Debatte ausgelöst. Zwar bleibt die Finanzierung des Festivals gesichert, doch sowohl die Stadt als auch politische Vertreter Niedersachsens haben sich öffentlich von der Veranstaltung distanziert. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen weniger Al-Sharifs künstlerische Arbeiten als vielmehr ihre politischen Positionen.
Die Ausgabe 2026 unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" setzt sich mit künstlerischer Freiheit und Verantwortung auseinander. Die Organisatoren verteidigen die Aufnahme von Al-Sharifs Film "Morning Circle" und argumentieren, dass ihre Social-Media-Beiträge – darunter ein umstrittenes Halloween-Foto – unterschiedlich interpretiert werden könnten. Gleichzeitig wiesen sie auf die lange Tradition des Festivals hin, palästinensische, jüdische und israelische Künstler:innen einzubinden.
Seitens der Stadt gibt es jedoch Vorbehalte. Die Osnabrücker Kulturdezernentin äußerte, man hätte Al-Sharifs Beitrag lieber nicht gezeigt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) kritisierte die Festival-Entscheidung, betonte aber, dass die Förderung nicht gekürzt werde. Die Landesregierung unterstrich ihre Ablehnung von Antisemitismus, respektiere jedoch die programmatische Unabhängigkeit des EMAF.
Es gibt keine öffentlichen Unterlagen oder Berichte aus dem April 2026, die einen direkten Einfluss der BDS-Bewegung auf die Debatte belegen. Al-Sharif sieht sich Vorwürfen des Antisemitismus und angeblichen Verbindungen zur Bewegung ausgesetzt, während das Festival ihre Äußerungen als differenziert einordnet.
Trotz des politischen Widerstands wird der Film wie geplant gezeigt. Die Förderung bleibt unverändert, und die Veranstalter bekräftigen ihr Bekenntnis zur künstlerischen Vielfalt. Der Streit verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen freier Meinungsäußerung und politischen Sensibilitäten in der Kulturförderung.






