Entwicklungsländer überholen Industrienationen bei Investitionen in erneuerbare Energien
Paul FischerEntwicklungsländer überholen Industrienationen bei Investitionen in erneuerbare Energien
Zum ersten Mal haben Entwicklungsländer im Jahr 2015 mehr in erneuerbare Energien investiert als Industrienationen. Ein neuer Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zeigt, dass diese Volkswirtschaften 156 Milliarden US-Dollar aufbrachten – ein Anstieg um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sanken die Ausgaben in den Industrieländern um 8 Prozent auf 130 Milliarden US-Dollar.
Diese Verschiebung markiert einen Wendepunkt bei den globalen Energieinvestitionen. Seit 2004 hatte China einen stetigen Anstieg der Ausgaben für erneuerbare Energien in der Entwicklungswelt vorangetrieben. Doch 2015 zogen auch andere Nationen nach: Südafrika, Mexiko und Chile verzeichneten alle ein starkes Wachstum bei sauberen Energieprojekten.
Weltweit flossen insgesamt 266 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien – mehr als das Doppelte der 130 Milliarden, die in Kohle- und Gaskraftwerke investiert wurden. Solar- und Windenergie dominierten den Markt und trieben die Investitionen auf Rekordniveau, wie Michael Liebreich von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) betont.
Die Industrieländer haben ihre Ausgaben jedoch seit 2011 zurückgeschraubt. Allein in Europa gingen die Investitionen in erneuerbare Energien innerhalb von vier Jahren um 60 Prozent zurück. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte, dass zwar Fortschritte gemacht würden, diese aber noch nicht ausreichten, um den künftigen Energiebedarf zu decken. Zudem wies er darauf hin, dass fossile Kraftwerke möglicherweise zurückgebaut oder mit CO₂-Abscheidetechnologien nachgerüstet werden müssten, um die Klimaziele zu erreichen.
Achim Steiner, Exekutivdirektor des UNEP, hob die doppelten Vorteile sauberer Energie hervor: Sie stärkt die Wirtschaft und schützt gleichzeitig die Umwelt.
Die Zahlen für 2015 zeigen deutlich, wohin die Gelder für erneuerbare Energien fließen. Entwicklungsländer führen nun bei den Investitionen – und übertreffen erstmals die reichen Nationen. Dennoch betonen Experten, dass selbst dieses Wachstum möglicherweise nicht ausreicht, um den steigenden globalen Energiebedarf nachhaltig zu decken.






