Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – Wirte protestieren gegen "Kulturpolizei"
Lukas HoffmannErlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – Wirte protestieren gegen "Kulturpolizei"
Erlangens Stadtverwaltung hat mehrere klassische Partyschlager auf eine Liste „sexistischer“ Lieder gesetzt. Damit soll Wirten abgeraten werden, die Titel beim jährlichen Bergkirchweih-Volksfest aufzulegen. Der Schritt folgt einer Beschwerde vom vergangenen Jahr, in der aggressives Verhalten und anstößige Songtexte kritisiert worden waren.
Auslöser der Debatte war der Vorfall einer Frau, die beim Festival 2023 von Männern begrapscht worden war. Sie beanstandete zudem die gespielte Musik als unangemessen und befremdlich. Bereits 2021 hatte der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – beschlossen, Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ zu verurteilen.
Auf der neu erstellten Liste stehen bekannte Partykracher, aber auch satirische Stücke wie Skandal im Sperrbezirk. Wirte zeigen sich jedoch skeptisch: Viele sehen darin eine unnötige Bevormundung, einige sprechen gar von „Kulturpolizei“.
Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Zensurbestrebungen bei Songtexten mit den Einschränkungen in der DDR. Der Sänger Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile „Du geile Sau“ enthält, behauptet unterdessen, viele Künstler hätten „null Bock“, noch in Deutschland aufzutreten. Er macht die wachsende Empfindlichkeit gegenüber Texten für die Abwanderung von Bühnenkünstlern verantwortlich.
Die Stadtverwaltung appelliert weiterhin an die Wirte, auf die gelisteten Lieder zu verzichten. Die Diskussion spiegelt den Konflikt zwischen Festtagstraditionen und sich wandelnden Maßstäben für Angemessenheit wider. Ob die Liste langfristig Auswirkungen auf das Volksfest haben wird, bleibt vorerst offen.






