EU plant digitale Identitätsbörse – Datenschützer warnen vor Überwachungsrisiken
Lukas HoffmannEU plant digitale Identitätsbörse – Datenschützer warnen vor Überwachungsrisiken
Die EU entwickelt eine neue Digitale Identitätsbörse, um Identitätsprüfungen und Dokumentenmanagement zu vereinfachen. Das System soll es Nutzern ermöglichen, ihre Identität sicher – sowohl online als auch offline – zu bestätigen, während sie die Kontrolle über ihre persönlichen Daten behalten. Datenschützer warnen jedoch, dass es damit auch eine flächendeckende Überwachung ermöglichen könnte.
Die Digitale Identitätsbörse der EU baut auf dem bestehenden deutschen elektronischen Identitätssystem auf. Sie wird lokale, regionale und bundesweite Behörden vernetzen, um eine einheitliche digitale Identität in allen Mitgliedstaaten zu schaffen. Die Börse soll auch Altersverifikations-Tools enthalten; eine frühe Version einer solchen App wurde im April von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgestellt.
Kurz nach der Präsentation gelang es IT-Sicherheitsexperten, die Altersprüf-App zu hacken. Trotz dieses Rückschlags plant die EU, die Identitätsbörse auf dem EUDI-ON-Gipfel am 25. Juni 2023 in Berlin vorzustellen. Das Projekt bleibt auf Kurs für einen vollständigen Start im Januar – jedes Mitgliedland muss dann eine eigene Version nach gemeinsamen Standards einführen.
Die Nutzung der Börse ist zunächst freiwillig. Doch ihre Verbreitung könnte zunehmen, da Bargeld an Bedeutung verliert und die EU eine digitale Euro-Währung vorantreibt. Gleichzeitig wirbt die EU für eine starke Verschlüsselung der Börse, treibt aber auch Chatkontroll-Maßnahmen voran, die Kritiker als Schwächung der Verschlüsselung sehen.
Mit der Identitätsbörse können Nutzer Dokumente verwalten und ihre Identität unkompliziert nachweisen. Die schrittweise Einführung beginnt im Januar, wobei alle EU-Länder teilnehmen. Bedenken hinsichtlich Überwachung und Sicherheitslücken bleiben jedoch weiterhin ungelöst.






