Experte warnt vor unrealistischen Plänen zur Rückführung syrischer Flüchtlinge
Emma KochExperte warnt vor unrealistischen Plänen zur Rückführung syrischer Flüchtlinge
Pläne zur Rückführung syrischer Flüchtlinge aus Deutschland stoßen auf scharfe Kritik eines führenden Migrationsexperten. Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration, argumentiert, dass die Vorschläge falsche Hoffnungen wecken könnten, während die anhaltenden Gefahren in Syrien ignoriert würden. Die Debatte entzündet sich an dem Ziel von Bundeskanzler Friedrich Merz, 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückzuführen.
Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa hatten kürzlich ein ehrgeiziges Vorhaben verkündet: Bis 2027 sollen 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer zurückkehren. Ende 2025 lebten rund 936.000 syrische Staatsbürger in Deutschland, davon hatten über 700.000 vor dem Bürgerkrieg geflohen.
Kluth stellt infrage, ob eine Rückführung in diesem Umfang realistisch sei. Er verwies auf die anhaltende Gewalt im Norden und Nordosten Syriens sowie auf die prekären humanitären und wirtschaftlichen Bedingungen im Land. Viele Geflüchtete seien mittlerweile gut integriert, gingen einer Arbeit nach oder besuchten Schulen in Deutschland.
Zwar räumte Kluth ein, dass Syrien Unterstützung beim Wiederaufbau benötige, doch betonte er, dass der humanitäre Schutz Vorrang haben müsse. Es bleibe schwierig einzuschätzen, ob eine sichere Rückkehr überhaupt möglich sei, warnte der Experte. Zudem forderte er die Politik auf, die Interessen der Geflüchteten gegen die Bedürfnisse des deutschen Arbeitsmarktes abzuwägen, bevor die Rückführungen vorangetrieben würden.
Die Rückführungspläne werfen Fragen nach Sicherheit und Machbarkeit auf. Kluths Kritik zeigt die Kluft zwischen politischen Ambitionen und der Realität vor Ort. Angesichts der fast eine Million in Deutschland lebenden Syrer wird die Debatte über ihre Zukunft voraussichtlich weitergehen.






