EZB plant Notfallstrategie gegen Energiekrise und drohende Inflation durch Iran-Konflikt
Moritz MüllerEZB plant Notfallstrategie gegen Energiekrise und drohende Inflation durch Iran-Konflikt
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen dreistufigen Plan vorgelegt, um die steigenden Energiepreise und die wirtschaftliche Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zu bewältigen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte die Strategie auf einer Konferenz in Frankfurt vor und warnte vor möglichen Inflationsrisiken und einem verlangsamten Wachstum. Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem sich die globalen Prognosen verdüstern – der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt höhere Preise und eine schwächere Konjunktur voraus.
Der Ansatz der EZB sieht drei mögliche Reaktionen vor. Erstens: Sollte der Anstieg der Energiepreise nur vorübergehend sein, würde die Bank auf politische Anpassungen verzichten, da diese zu spät kämen, um noch Wirkung zu zeigen. Hält der Schock länger an, bleibt aber beherrschbar, sieht die zweite Stufe schrittweise Korrekturen vor, um die Märkte nicht zu verunsichern. Bei schweren und anhaltenden Inflationsgefahren erfordert die dritte Option entschlossenes und nachhaltiges Handeln.
Die aktuellen Ölpreise liegen nahe an den pessimistischsten Prognosen der EZB – im Bereich des 95. Perzentils der erwarteten Kosten. Dieses ungünstige Szenario deutet darauf hin, dass das Wachstum im Euroraum bis 2026 zum Stillstand kommen könnte, bevor sich eine langsame Erholung abzeichnet. Eine vertiefte Energiekrise könnte sogar eine leichte Rezession auslösen, mit einem Anstieg der Gesamtinflation auf 4 %, bevor sie wieder zurückgeht – während die Kerninflation weitgehend unberührt bliebe.
Die EZB hat ihre Prognosen bereits nach oben korrigiert: Für 2026 wird nun eine Inflation von 2,6 % (bisher: 1,9 %) erwartet, während das Wachstum auf 0,9 % gesenkt wurde. Dennoch blieben die Zinssätze am 19. März unverändert bei 2,0 %. Die Märkte rechnen nun bis Ende 2026 mit ein oder zwei Zinserhöhungen. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane ergänzte, die Bank werde bei jedem Treffen neu bewerten, ob der Schock ignoriert, moderat angepasst oder entschlossen gegengesteuert werden müsse – gestützt auf Datenmodelle als Entscheidungsgrundlage.
Hinzu kommt die anhaltende Beeinträchtigung der Schifffahrt im Roten Meer durch Angriffe der Huthi-Rebellen, die Ende 2023 die Hälfte des Suezkanal-Verkehrs umleiteten. Trotz US-Luftangriffen und diplomatischer Bemühungen haben sich die Handelsströme noch nicht erholt, was zusätzlichen Druck auf die Energiemärkte ausübt.
Die Strategie der EZB spiegelt wachsende Sorgen über anhaltende Inflation und schwaches Wachstum wider. Die aktualisierten Prognosen und Ölpreisszenarien unterstreichen die Risiken von Stagnation oder Rezession, falls sich die Energiekrise verschärft. Die nächsten Schritte der Bank hängen davon ab, wie sich die Inflation entwickelt – und ob der Iran-Konflikt die globalen Lieferketten weiter destabilisiert.






