Florentina Holzinger revolutioniert Pfingstspiele mit feministischer Radikalität und Technik-Spektakel
Lukas HoffmannFlorentina Holzinger revolutioniert Pfingstspiele mit feministischer Radikalität und Technik-Spektakel
Florentina Holzinger inszeniert ihr erstes Pfingstspiel – inspiriert von Hermann Nitschs radikalem Theater
Florentina Holzinger hat ihr erstes Pfingstspiel auf die Bühne gebracht und sich dabei von den radikalen Theatertraditionen Hermann Nitschs inspirieren lassen. Die Aufführung fand auf Schloss Prinzendorf statt, dem historischen Sitz von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater, wo das Publikum zu einer kühnen Neudeutung feministischen und religiösen Gedankenguts zusammenkam.
Die Veranstaltung verband extreme Körperlichkeit mit modernster Technologie und setzte sich damit bewusst von früheren avantgardistischen Strömungen ab. Den Auftakt bildete eine beeindruckende Szene: Dreizehn Frauen hingen schwebend im Innenhof, ihre Körper verkörperten Kampf und Chaos, das sich in Klarheit verwandelte. Holzingers rein weibliches Ensemble parodierte anschließend Nitschs „Letztes Abendmahl“ und eignete sich feministische Bildsprache in einer trotzig-feierlichen Geste an.
Technik und Spektakel standen im Mittelpunkt, als Drohnen über einer gekreuzigten Darstellerin schwebten – eine Anspielung auf Nitschs „Malaktionen". Ein Monstertruck zermalmte einen Panzer – ein dramatischer Appell für Frieden –, bevor der Heilige Geist in Gestalt eines Fallschirmspringers mit einer taubenförmigen Helmabdeckung vom Himmel stieg. Zuvor hatte sich eine nackte Frau am Intercontinental Hotel abgeseilt, eine Hommage an Trisha Browns ikonische Performances.
Holzinger bezog auch traditionell männlich konnotierte Symbole ein: Autos, ein Motorrad und ein Fallschirmsprung fanden sich in dem chaotischen Geschehen wieder. Das Ergebnis war eine energiegeladene Feier von Frauen, die Räume besetzen und neu definieren, die einst von Männern dominiert wurden.
Die Aufführung verschmolz rohe Körperlichkeit mit mechanischer Gewalt und hob Holzinger damit von früheren Aktionist:innengenerationen ab. Ihr Einsatz von Drohnen, Schwerlastmaschinen und Luftakrobatik schuf ein Spektakel, das zugleich archaisch und zukunftsweisend wirkte.
Holzingers Pfingstspiel deutete Nitschs provokatives Erbe aus feministischer Perspektive neu. Die Verschmelzung von extremer Aktion, religiöser Symbolik und Technologie bot einen frischen Blick auf die Performance-Kunst.
Die Veranstaltung hinterließ einen bleibenden Eindruck – eine Mischung aus Chaos und Schönheit, die traditionelle Geschlechterrollen auf unvergesslich mutige Weise herausforderte.






