Gebrauchtwagenmarkt: Warum SUVs und Premiummodelle jetzt die Nase vorn haben
Emma KochGebrauchtwagenmarkt: Warum SUVs und Premiummodelle jetzt die Nase vorn haben
Der Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland hat in den letzten Jahren dramatische Veränderungen erlebt. Die Preise schnellen auf Rekordhöhen, bevor sie leicht nachgaben, während Lieferkettenstörungen Produktion und Wiederverkaufswerte umkrempelten. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass einige Modelle in dem volatilen Markt besser abschneiden als andere.
Der globale Chipmangel begann Anfang 2020, als Autohersteller ihre Produktion drosselten und Bestellungen für Halbleiter stornierten. Die Hersteller verlagerten die knappen Chip-Lieferungen stattdessen in die Konsumelektronik und IT-Branche – die Automobilindustrie blieb ohne essenzielle Bauteile zurück. Dadurch wurden 2021 zwischen sieben und elf Millionen weniger Fahrzeuge gebaut als geplant, was zu Lieferverzögerungen von sechs bis eighteen Monaten bei Neuwagen führte.
Mit weniger Neuwagen auf dem Markt stieg die Nachfrage nach Gebrauchtfahrzeugen rasant an. Zwischen 2021 und 2022 kletterten die Preise für Secondhand-Modelle um etwa 19 Prozent – der steilste Anstieg in so kurzer Zeit. Bis Anfang 2025 kostete ein durchschnittlicher Gebrauchtwagen in Deutschland rund 27.800 Euro, etwa fünf Prozent weniger als auf dem Höchststand 2023.
Nicht alle Modelle entwickelten sich gleich. SUVs wie der VW Tiguan oder der BMW X1 hielten ihren Wert oder stiegen sogar im Preis. Gleichzeitig verlieren Kleinwagen und hochpreisige Elektroautos schneller an Wiederverkaufswert. Dreijährige Batterie-Elektrofahrzeuge erreichen heute nur noch etwa 50 Prozent ihres ursprünglichen Preises – im Vergleich zu 63,5 Prozent bei Benzinern und 62,2 Prozent bei Dieselfahrzeugen. Deutsche Premiummodelle mit Verbrennungsmotor behalten ihren Wert dagegen weiterhin gut.
Auch der Umschlag bei Händlern beschleunigte sich: Die durchschnittliche Standzeit eines Wagens auf dem Hof sank von etwa 75 Tagen vor der Pandemie auf nun 57 Tage.
Der Gebrauchtwagenmarkt bleibt nach Jahren der Knappheit und Preisschwankungen in Bewegung. Während Segmente wie SUVs und Premium-Verbrenner stabil bleiben, verlieren andere an Wert. Zwar verkaufen Händler Fahrzeuge heute schneller, doch die Folgen der Chipkrise und die sich wandelnde Nachfrage prägen die Branche weiterhin.






