Gleichstellungsbeauftragte schlagen Alarm: Antifeminismus bedroht ihre Arbeit bundesweit
Paul FischerGleichstellungsbeauftragte schlagen Alarm: Antifeminismus bedroht ihre Arbeit bundesweit
Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland trafen sich diese Woche in Lübeck, um der wachsenden antifeministischen Bedrohung entgegenzutreten. Der Austausch erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender Vorfälle von Vandalismus, Budgetkürzungen und offener Feindseligkeit gegenüber ihrer Arbeit. Viele Berichte schildern wiederholte Angriffe bei gleichzeitig schwindender politischer Unterstützung.
Das dreitägige Treffen stand unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“ und vereinte 70 Gleichstellungsbeauftragte. Im Mittelpunkt standen Vernetzung und Strategien gegen organisierte antifeministische Bewegungen, die gezielt Frauen- und Queer-Rechte angreifen und zunehmend Gleichstellungsinitiativen ins Visier nehmen.
Aktuelle Zahlen unterstreichen das Ausmaß der Problematik: Allein 2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – durchschnittlich etwa zehn pro Woche. Eine Umfrage ergab, dass 63 Prozent der Beauftragten bereits Angriffe erlebt haben, wobei 40 Prozent in den letzten zwei Jahren von mehreren Vorfällen berichteten. Eine Gleichstellungsbeauftragte aus Baden-Württemberg schilderte, wie rechtsextreme Aktivist:innen nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Die Bedrohungen beschränken sich jedoch nicht auf persönliche Einschüchterung. Im Rahmen der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen geschlechtsspezifische Gewalt wurden orangefarbene Bänke in Städten wie Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler beschädigt. Gleichzeitig sehen sich viele Beauftragte mit schrumpfenden Budgets und politischer Gleichgültigkeit konfrontiert – was ihre Handlungsmöglichkeiten weiter einschränkt.
Das Treffen endete mit Appellen an mehr Solidarität und gemeinsame Schutzstrategien für die Gleichstellungsarbeit. Die Teilnehmer:innen betonten die Dringlichkeit stabiler Finanzierung und klarer politischer Rückendeckung, um der wachsenden Gegenbewegung etwas entgegenzusetzen. Ohne Gegenmaßnahmen, warnen sie, könnte der Rückzug der Unterstützung die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Diskriminierung weiter schwächen.






