Happel und Nocker: Zwei Theaterlegenden prägen Wiens Bühnen mit neuen Inszenierungen
Beatrix FiebigHappel und Nocker: Zwei Theaterlegenden prägen Wiens Bühnen mit neuen Inszenierungen
Zwei prägende Figuren des Wiener Theaters: Maria Happel und Paula Nocker bereiten große Produktionen vor
Zwei der bekanntesten Theaterpersönlichkeiten Wiens, Maria Happel und Paula Nocker, stehen derzeit im Mittelpunkt großer Inszenierungen in der Stadt. Die beiden Frauen teilen seit ihrer Kindheit die Bühne und rücken nun erneut in den Fokus – wenn auch mit unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen und Haltungen zur Kritik.
Happel, die bereits mehr als die Hälfte ihres Lebens in Wien verbracht hat, probt intensiv für Der heilige Falstaff am Burgtheater, während Nocker eine Koproduktion zwischen dem Volkstheater und den Wiener Festwochen koordiniert.
Ihre Verbindung reicht Jahrzehnte zurück: Beide standen bereits mit acht Jahren auf der Bühne, manchmal sogar unter der Regie ihrer Mütter. Heute verbindet sie eine enge Freundschaft, auch wenn ihre Standpunkte mitunter kollidieren. Als Nachbarinnen bewegen sich ihre Töchter frei zwischen den beiden Haushalten – ein Arrangement, das, wie sie scherzen, nicht ganz auf Gegenseitigkeit beruht.
Ihre beruflichen Wege haben sich unterschiedlich entwickelt. Happel trat kürzlich als Leiterin des Reinhardt-Seminars zurück, nachdem ihr vorgeworfen worden war, sich zu wenig um die Studierenden zu kümmern. Nocker hingegen engagiert sich öffentlich für die #MeToo-Bewegung und betont, dass der Wandel weiter vorangetrieben werden müsse. Happel stimmt zu, dass Veränderung nötig ist, findet aber, dass die Branche ihre Ziele noch nicht erreicht hat.
Auch künstlerisch gehen ihre Meinungen auseinander. Happel gibt offen zu, dass sie mit gendergetauschten Rollen im Theater hadert – auch wenn sie respektiert, dass das Publikum sie teilweise begrüßt. Nocker hingegen begrüßt jede Form der Kritik, solange sie respektvoll bleibt. Happel bevorzugt positive Rezensionen, ein Kontrast zu Nockers offener Haltung.
Aktuell konzentriert sich Happel auf Der heilige Falstaff, eine österreichische Erstaufführung inspiriert von Shakespeares Heinrich IV. Nocker widmet sich unterdessen Mythen des Alltags, einer Zusammenarbeit zwischen dem Volkstheater und den Wiener Festwochen.
Beide Produktionen werden bald auf der Bühne zu sehen sein und das Schaffen zweier Künstlerinnen zeigen, die das Wiener Theater seit Jahren prägen. Ihre unterschiedlichen Ansichten zu Kunst, Kritik und gesellschaftlichen Bewegungen spiegeln die aktuellen Debatten der Branche wider. Doch trotz aller Meinungsverschiedenheiten bleibt eine Sache unverändert: ihre langjährige Freundschaft – und die gemeinsame Leidenschaft für das Theater.






