Humboldt Forum: Berlins umstrittenes Kulturprojekt zwischen Glanz und Kritik
Paul FischerHumboldt Forum: Berlins umstrittenes Kulturprojekt zwischen Glanz und Kritik
Das Humboldt Forum in Berlin ist zu einem Kristallisationspunkt kultureller und politischer Debatten geworden. Finanziert von vermögenden rechtspopulistischen Spendern, sollte es preußischen Glanz beschwören – doch seine Rolle und Relevanz für die Stadt bleiben umstritten.
Seit seiner Eröffnung beherbergt das Humboldt Forum bedeutende Einrichtungen wie das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Sein Programm setzt sich häufig mit zeitgenössischen Themen auseinander, darunter demokratischer Abbau und globale Ungerechtigkeit. Gleichzeitig hat der Ort aber auch Diskussionen über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt entfacht.
Im vergangenen Jahr besuchten rund 634.000 Menschen seine Ausstellungen. Die offiziellen Besucherzahlen umfassen jedoch auch jene, die lediglich für ein Selfie im Innenhof vorbeikamen. Trotz ambitionierter Projekte wie Sarah Ama Duahs Performance „to build to bury to remember“ – die Objekte als autonome Körper inszeniert – wirkt das Forum kaum in den Berliner Alltag integriert.
Kritiker werfen ihm vor, eher einem Palast als einem öffentlichen Raum zu ähneln. Die abgelegene Lage und das Fehlen von Infrastruktur in der Nähe mindern zudem seine Attraktivität für die lokale Bevölkerung. Das Gebäude selbst, mit seiner monumentalen Architektur, überstrahlt oft seine eigentliche Funktion als kultureller Begegnungsort.
Das Humboldt Forum bleibt ein umstrittenes Symbol der Berliner Kulturlandschaft. Seine Programme und Debatten haben historische wie moderne Ungerechtigkeiten ins Bewusstsein gerückt. Doch die physische und konzeptionelle Distanz zum städtischen Leben besteht fort.
