29 June 2026, 20:04

Klassik im Umbruch: Abgänge, Sanierungen und Skandale erschüttern die Szene

Zu viel Hysterie!

Klassik im Umbruch: Abgänge, Sanierungen und Skandale erschüttern die Szene

Tiefgreifende Umbrüche in der deutschen Klassikszene

In der deutschen Klassikwelt zeichnen sich bedeutende Veränderungen ab: Andrea Zietzschmann verlässt die Philharmonie, während die Debatte um einen Interims-Spielort während der Sanierung 2032 weitergeht. Gleichzeitig sehen sich andere Institutionen mit Kontroversen und Führungswechseln konfrontiert.

Andrea Zietzschmann hat bestätigt, ihren Vertrag als Intendantin der Berliner Philharmonie nicht zu verlängern. Gerüchte über ihren Abschied hatten bereits kursiert, obwohl ihre Arbeit das Orchester maßgeblich geprägt hat. Unterdessen sucht Berlin nach einer vorübergehenden Spielstätte für die Philharmonie während der anstehenden Sanierung – die Stadt favorisiert das ICC, doch Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Kollegen vom VAN Magazine schlagen stattdessen den Flughafen Tempelhof vor, dessen geschätzte Kosten jedoch über eine Milliarde Euro lägen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 66 Prozent der Befragten Tempelhof bevorzugen, während das ICC nur auf fünf Prozent kommt.

Andernorts sind die Sanierungskosten des Salzburger Festspielhauses auf 635 Millionen Euro gestiegen – ursprünglich waren 519 Millionen veranschlagt. In Bonn hat Beethovenfest-Intendant Steven Walter das Festival nach Vorwürfen gegen Dirigent John Eliot Gardiner zur „No-Dick-Pic-Zone“ erklärt und für Wiederholungstäter ein Hausverbot verhängt. Gardiner sieht sich Vorwürfen wegen unangemessenen Verhaltens gegenüber einer Mitarbeiterin beim Leipziger Bachfest ausgesetzt, was zu gespaltenen Reaktionen führt.

Matthias Goerne hat seine geplanten Auftritte in Israel, darunter Herzog Blaubarts Burg, abgesagt und Reiseprobleme als Grund genannt. In München erntet Tobias Kratzers Ring-Zyklus mit Die Walküre dagegen durchweg begeisterte Kritiken.

Auch bei Führungspositionen gibt es Bewegung: Karin Bergmann, die Nachfolgerin von Markus Hinterhäuser, hat angeboten, dessen geplante Konzerte zu übernehmen – eine Antwort steht noch aus. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda hat öffentlich Michel Friedmans Äußerungen zur deutschen Kulturidentität in einer Süddeutsche-Zeitung-Debatte verteidigt.

Der MDR stellt seinen Klassik-Radiosender auf DAB+ ein und ersetzt ihn durch BR-Klassik. Musikdirektorin Annette Josef bewertet den Schritt als „strategischen Erfolg“ und verweist auf erweiterte Kooperationen mit der ARD. Bisher stößt die Entscheidung auf wenig öffentliche Resonanz. Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommer-Musiktage, forderte kürzlich in einem BackstageClassical-Podcast einen ernsthafteren und werktreueren Umgang mit Musik.

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Die Klassikszene durchlebt eine Phase des Umbruchs und der Debatten. Verträge laufen aus, Spielstätten werden diskutiert, und Kontroversen verändern Institutionen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich diese Entwicklungen auswirken – und welche Spuren sie im Kulturbetrieb hinterlassen.

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