Merz zweifelt am Kohleausstieg – und setzt auf Gas und Atomkraft als Brückentechnologien
Emma KochMerz zweifelt am Kohleausstieg – und setzt auf Gas und Atomkraft als Brückentechnologien
Bundeskanzler Friedrich Merz hat Zweifel am Zeitplan für den deutschen Kohleausstieg geäußert. Seine Äußerungen fallen in eine Phase steigender Spannungen im Iran, die die Verbraucherpreise so stark in die Höhe treiben wie seit 2020 nicht mehr. Gleichzeitig skizzierte er Pläne für die Energiepolitik, darunter den Bau neuer Gaskraftwerke und die Erforschung fortschrittlicher Nukleartechnologien.
In Sachen Energiestrategie schloss Merz eine kurzfristige Rückkehr zur Kernenergie aus. Allerdings ließ er die Tür für eine künftige Nutzung von kleinen modularen Reaktoren (SMR) offen und zeigte sich optimistisch über die Entwicklung der Kernfusion in Deutschland.
Die aktuellen Inflationszahlen zeigen einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,6 % im Vergleich zum März des Vorjahres – der stärkste Anstieg seit dreieinhalb Jahren. Treiber ist unter anderem der Iran-Konflikt. Im Monatsvergleich wird ein Preissprung von 1,1 % erwartet.
Beim Thema Kohle stellte Merz infrage, ob der geplante Ausstiegsfahrplan noch realistisch sei. Stattdessen schlug er vor, die Laufzeit bestehender Kohlekraftwerke zu verlängern und gleichzeitig den Bau neuer Gaskraftwerke zu beschleunigen. Diese sollen zwar an bestehenden Standorten entstehen, zunächst aber ohne Wasserstofftauglichkeit.
Trotz des Fokus auf Gas bekräftigte Merz das deutsche Bekenntnis zum Ausbau erneuerbarer Energien. Die neuen Gaskraftwerke bezeichnete er als Übergangslösung, um die Stromversorgung während der Umstellungsphase zu stabilisieren.
Die Aussagen des Kanzlers deuten auf einen Kurswechsel in der deutschen Energiepolitik hin, der kurzfristige Versorgungssicherheit mit langfristigen Zielen in Einklang bringen soll. Angesichts der galoppierenden Inflation und der geopolitischen Spannungen, die die Kosten in die Höhe treiben, steht die Regierung unter Druck, ihre Politik anzupassen. Neue Gaskraftwerke und eine längere Kohlenutzung könnten in den kommenden Jahren eine größere Rolle spielen.






