07 April 2026, 00:07

Oma Paluschke liest plötzlich digital – doch viele bleiben zurück

Alte Zeitung mit Illustrationen von Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und Ethnien in verzweifelter Haltung und fetter Schrift in einem dekorativen Rahmen.

Oma Paluschke liest plötzlich digital – doch viele bleiben zurück

Fast ein halbes Jahrhundert lang begann Oma Paluschke jeden Morgen mit der Ostthüringer Zeitung (OTZ), ihrer vertrauten Lokalzeitung. Doch im Frühling 2023 endete diese Tradition jäh, als die OTZ in elf Gemeinden – darunter ihre Heimatstadt Greiz – die Druckausgabe einstellte. Mit 82 Jahren liest sie ihre Nachrichten nun auf einem Tablet – und hat sich sogar ins Online-Dating gewagt.

Der Umstieg ins Digitale kam überraschend. Die Funke-Mediengruppe, zu der die OTZ gehört, kündigte den Lesern die Abschaffung der Printausgabe nur acht Wochen im Voraus an. Rund 300 langjährige Abonnenten, darunter auch Oma Paluschke, erhielten kostenlos Tablets und eine kurze Einweisung in die Nutzung des E-Papers. Viele hatten mit der Umstellung ihre Schwierigkeiten.

Später gab Funke zu, dass die Umstellung schlecht geplant war. Fast die Hälfte der Leser in Greiz kündigte ihr Abo, statt auf die digitale Version umzusteigen. Manche griffen zu kostenlosen Anzeigenblättern, die oft eine rechtsextreme Tendenz mit Bezug zur AfD aufwiesen. Andere verließen sich auf Amtsblätter der Kommune, die keine unabhängige Berichterstattung boten.

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Noch vor der Digitalisierung der OTZ hatte das Team des Netzwerk Recherche mit Einwohnern gesprochen – darunter auch Oma Paluschke – über ihre Erwartungen an lokale Nachrichten. Unterdessen betrieben rechtsextreme Akteure in Greiz offen die Plattform Heimatbote Vogtland und füllten so die Lücke, die die traditionellen Medien hinterließen. Besonders ältere Leser vermissten das Gefühl von Papier – und die kritische Berichterstattung, die damit verbunden war.

Das Ende der gedruckten OTZ hinterließ in Greiz eine Leerstelle. Manche, wie Oma Paluschke, gewöhnten sich an das digitale Lesen, andere wandten sich tendenziösen oder nicht-journalistischen Quellen zu. Der abrupte Wandel zeigte, wie tief verwurzelt die Gewohnheiten der Printleser waren – und wie schwer sie zu ersetzen sind.

Quelle