16 March 2026, 00:33

Sicherheitsängste im Nahverkehr: Warum immer mehr Deutsche Bus und Bahn meiden

Ein Schild an einer Zugtür, das besagt, dass Mund-Nasen-Schutz auf öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden muss, mit einem Glasfenster auf der rechten Seite.

Einer von Vier fühlt sich auf Bus und Zug unsicher - Sicherheitsängste im Nahverkehr: Warum immer mehr Deutsche Bus und Bahn meiden

Eine neue Umfrage offenbart weit verbreitete Bedenken hinsichtlich der Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr Deutschlands. Mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, sich unsicher zu fühlen, wenn sie mit Bus oder Bahn unterwegs sind. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Behörden sich auf die Bewältigung von Sicherheitsproblemen vorbereiten – ausgelöst durch einen viel beachteten Angriff zu Beginn dieses Jahres.

Die Daten zeigen zudem, dass die Erfahrungen je nach Alter und Geschlecht stark variieren. Jüngere Fahrgäste und Frauen berichten häufiger von einem Gefühl der Verwundbarkeit als andere Gruppen, was Fragen nach der Wirksamkeit der aktuellen Schutzmaßnahmen aufwirft.

Laut der Umfrage haben 27 Prozent der Menschen ein Unsicherheitsgefühl im öffentlichen Verkehr – selbst ohne direkte Belästigung oder Gewalt. Weitere 16 Prozent waren bereits verbalen Angriffen ausgesetzt, während 4 Prozent körperliche Übergriffe erlebten. Fünf Prozent der Befragten gaben an, Bedrohungen erfahren zu haben.

Frauen (30 Prozent) äußerten dabei größere Besorgnis als Männer (23 Prozent), und Fahrgäste unter 40 Jahren waren häufiger von negativen Vorfällen betroffen. Gleichzeitig beobachteten 17 Prozent der Befragten, wie andere angegriffen, bedroht oder belästigt wurden. Trotz dieser Sorgen betonten 29 Prozent, noch nie eine unangenehme Situation in Bussen oder Zügen erlebt zu haben.

Die Ergebnisse folgen auf den tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Kaiserslautern am 2. Februar 2026. Seither wurden keine neuen Sicherheitsvorkehrungen umgesetzt. Stattdessen fand am Freitag, dem 13. Februar 2026, ein Sicherheitssippen statt, an dem Verkehrsminister Volker Wissing, die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, Gewerkschaften und Verkehrsverbände teilnahmen. Zu den diskutierten Maßnahmen gehören unter anderem Körperkameras für das Personal und eine Aufstockung der Zugbegleiter.

Besorgniserregend ist, dass 25 Prozent der Befragten mittlerweile ganz auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten – ein Zeichen für das wachsende Misstrauen in die Sicherheit des Systems.

Die Umfrage unterstreicht die anhaltenden Sicherheitsdefizite in Bussen und Bahnen Deutschlands. Angesichts der Tatsache, dass ein beträchtlicher Teil der Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr meidet, steht der anstehende Sicherheitssippen unter Druck, konkrete Lösungen vorzulegen. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen praktische Schritte wie der Einsatz von Körperkameras und mehr Personal, um das Vertrauen der Reisenden zurückzugewinnen.

AKTUALISIERUNG

NRW kündigt erweiterte Sicherheitsmaßnahmen im ÖPNV an

Neue Entwicklungen in der regionalen Sicherheitspolitik sind nach dem Februar-Gipfel 2026 aufgetreten. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer bestätigte:

  • Erweiterung staatlich finanzierter Sicherheitsteams und verbesserte Videoüberwachung an kleineren Bahnhöfen.
  • Live-Videostreams in Fahrzeugen und verpflichtende Bodycams für alle lokale Transportmitarbeiter.
  • Normalisierung der Doppelbesetzung von Zügen zur Behebung anhaltender Sicherheitsbedenken. Diese Maßnahmen folgen dem Angriff in Kaiserslautern und zielen darauf ab, die durch Fahrgast- und Mitarbeiterumfragen aufgezeigten Implementierungslücken zu schließen.