Skandal um entzogenen Grimme-Preis: Journalistin wehrt sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe
Stjepan HeinrichKritik am Grimme-Preis: 'Unzivilisierte' Autoren geben Preis zurück - Skandal um entzogenen Grimme-Preis: Journalistin wehrt sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe
Ein Streit ist um einen zurückgezogenen Preis entbrannt, der der Journalistin Judith Scheytt von den Freunden des Adolf-Grimme-Preises zugedacht war. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht ihre medienkritische Arbeit zur deutschen Berichterstattung über den Nahen Osten. Kritiker, darunter die Kölner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, warfen ihren Beiträgen Antisemitismus vor – Vorwürfe, die sie entschlossen zurückweist.
Der Konflikt begann, als Scheytt eine Sonderauszeichnung der Freunde des Adolf-Grimme-Preises erhalten sollte. Nach Protesten der Kölner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wurde die Preisvergabe widerrufen. Berichten zufolge lehnten einige Jurymitglieder diese Entscheidung ab, doch der Verein setzte sie dennoch durch.
Als Reaktion gaben die Autoren Bilal Bahadır und Çagdas Yüksel, die für ihr Werk Unzivilisiert mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden waren, ihre Auszeichnungen zurück. Sie kritisierten das Grimme-Institut für sein Schweigen während des Streits und warfen ihm vor, durch seine Untätigkeit den Ruf der Organisation beschädigt zu haben.
Die Freunde des Adolf-Grimme-Preises agieren unabhängig vom Grimme-Institut und verfügen über einen eigenen Vorstand, eine eigene Jury sowie Sonderpreise. Çigdem Uzunoğlu, Direktorin des Grimme-Instituts, betonte diese Eigenständigkeit und erklärte, die Achtung der Autonomie der Jury verbiete jede äußere Einmischung. Scheytt hingegen wies die Vorwürfe als haltlos zurück und bezeichnete die zugrundeliegenden Analysen als unwissenschaftlich und fehlerhaft.
Der entzogene Preis hat tiefe Gräben zwischen dem Verein, seinen Kritikern und dem Grimme-Institut aufgerissen. Scheytts Arbeit bleibt umstritten, während sich das Institut von der Entscheidung distanziert. Die Rückgabe der Preise durch Bahadır und Yüksel unterstreicht zudem die anhaltenden Spannungen in den Medien- und Kulturkreisen.