Vier neue Traditionen werden deutsches Kulturerbe – doch die Auswahl sorgt für Streit
Heinz-Walter Koch IIVier neue Traditionen werden deutsches Kulturerbe – doch die Auswahl sorgt für Streit
Deutschland hat vier neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Dazu gehören das handwerkliche Schneiderhandwerk für Herrenmode, die Schaustellerkultur auf Jahrmärkten, die Fischerei in der Ostsee sowie das Straßenfußballspiel auf dem Bolzplatz – sie alle genießen nun offizielle Anerkennung. Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer und die Deutsche UNESCO-Kommission gaben die Neuaufnahmen gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz bekannt.
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Entscheidung, das Herren-Schneiderhandwerk unter die geschützten Kulturpraktiken Deutschlands aufzunehmen. Während die Maßnahme im Inland gelobt wird, wirft sie in Nachbarländern Europas Fragen auf. Kritiker argumentieren, dass ähnliche Handwerkskünste anderswo gleichermaßen Anerkennung verdienten.
Auch Weimers strenge Kriterien für die staatliche Förderung kultureller Vorhaben sorgen für Diskussionen. Bereits seine jüngste Streichung eines Übersetzungsprojekts palästinenscher Autor:innen aus der Förderliste des Berliner Hauptstadtkulturfonds hatte für Aufsehen gesorgt. Nun lösten seine aktuellen Auswahlentscheidungen Proteste von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-geführten Bundesländern aus.
Jenseits des Schneiderhandwerks spiegeln die neu anerkannten Traditionen die regionale Vielfalt Deutschlands wider. Im Rheinland bleiben die Laternenumzüge zu St. Martin zwar eine langjährige Tradition, wurden in dieser Runde jedoch nicht berücksichtigt. Dafür zählen nun die Schaustellerkultur auf Volksfesten und die Ostseefischerei zum immateriellen Kulturerbe – ein Beleg für die facettenreiche Kulturlandschaft des Landes.
Doch die Auslassungen sorgen für ebenso viel Gesprächsstoff wie die Neuaufnahmen. So fehlen etwa die kulinarische Prägung durch den Döner oder die Rolle unabhängiger linksalternativer Buchhandlungen auf der Liste. Beobachter fragen sich nun, warum manche Traditionen offiziellen Status erhalten – andere jedoch nicht.
Die erweiterte Liste des immateriellen Kulturerbes umfasst nun das Herren-Schneiderhandwerk, das Schaustellergewerbe sowie lokale Sporttraditionen. Weimers Auswahl hat die bestehenden Spannungen um Kulturförderung und Anerkennung weiter verschärft. Angesichts der Proteste aus SPD-regierten Ländern dürfte die Debatte darüber, was deutsches Kulturerbe ausmacht, anhalten.






