Warum das Misstrauen in die Demokratie immer weiter wächst – und wer davon profitiert
Lukas HoffmannWarum das Misstrauen in die Demokratie immer weiter wächst – und wer davon profitiert
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie wächst. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie sich Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen, Gerichten, Wissenschaft und Medien verbreitet. Seine Erkenntnisse zeigen: Digitale Medien ermöglichen es misstrauischen Menschen wie nie zuvor, sich zu vernetzen und zu organisieren.
El-Mafaalani argumentiert, dass das Vertrauen in die Demokratie schwindet, wenn Bürger den Glauben in zentrale Institutionen verlieren. Populistische Strategen schüren dieses Misstrauen gezielt und schaffen so ein Umfeld, in dem Skeptiker sich gegenseitig in ihren Ansichten bestätigen. Diese Gruppen bilden, was er als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet – Räume, in denen Mitglieder ihre Überzeugungen wechselseitig verstärken.
Aus dieser Dynamik ging die "Alternative für Deutschland" (AfD) hervor. 2013 von Kritikern der Eurozonen-Politik gegründet, konzentrierte sie sich zunächst auf die Ablehnung des Euro und der EU-Rettungspakete. Frühere Mitglieder wie Götz Frömming verließen andere Parteien, um sich der eurokritischen Haltung der AfD anzuschließen. Seitdem hat die Partei ihren Einfluss ausgebaut: 2017 zog sie in den Bundestag ein und erreichte in Baden-Württemberg 18,8 Prozent der Stimmen. Unter den Vorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel verlagerte sie ihren Fokus von wirtschaftlichen Themen hin zu breiteren rechtspopulistischen Positionen.
El-Mafaalani warnt jedoch, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD das Vertrauen ihrer Anhänger in die Demokratie nicht zurückgewinnen werden. Stattdessen schlägt seine Arbeit neue Wege vor, um dem Aufstieg des Rechtspopulismus entgegenzuwirken. Seine Analysen werfen zudem ein Licht auf ähnliche Entwicklungen, etwa den politischen Aufstieg von Figuren wie Donald Trump.
El-Mafaalanis Forschung zeigt, wie sich Misstrauen in gleichgesinnten Gruppen verbreitet und verfestigt. Diese Gemeinschaften setzen oft ihr Vertrauen in Parteien, die der liberalen Demokratie feindlich gegenüberstehen – wie die AfD. Seine Erkenntnisse sollen Politikern und Institutionen helfen, wirksamer auf die Herausforderung des wachsenden Populismus zu reagieren.






