Warum sich schwule Fußballer in Deutschland selten outen und früh aufgeben
Paul FischerWarum sich schwule Fußballer in Deutschland selten outen und früh aufgeben
Weniger schwule Fußballer schaffen den Sprung in den Profibereich in Deutschland
Viele beenden ihre Karriere früh, um Stigmatisierung oder den Druck zu vermeiden, ihre sexuelle Identität verbergen zu müssen. Christian Dobrick, Jugendtrainer beim FC St. Pauli, bestätigte, dass die Energie, die Spieler für nicht-sportliche Belange aufwenden müssen, oft ihre Entwicklung behindert.
Thomas Hitzlsperger bleibt der einzige Profifußballer in Deutschland, der sich öffentlich als schwul geoutet hat. 2014, nach seinem Karriereende, gab er seine Homosexualität bekannt. Seine Offenbarung sorgte für große mediale Aufmerksamkeit und wurde sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel gelobt.
Joachim Löw, damals Bundestrainer des DFB, hatte Hitzlsperger zuvor davon abgeraten, sich während seiner aktiven Zeit zu outen. Die Bedenken galten möglicher öffentlicher Kritik und dem zusätzlichen Leistungsdruck, dem er dadurch ausgesetzt gewesen wäre. Trainer, Berater und Agenten raten Spielern häufig vom Coming-out ab, um deren Marktwert nicht zu gefährden.
Die Fußballwelt kann unwirtlich sein. In Umkleidekabinen kommt es mitunter zu abwertenden Sprüchen über schwule Spieler. Marcus Urban, einst ein vielversprechendes Talent, beendete seine Karriere, weil er die Belastung nicht länger ertragen konnte, sich heterosexuell verstellen zu müssen. Andere folgten diesem Beispiel und verließen den Sport, statt weiter ein Doppelleben zu führen.
Statistiken zufolge könnten etwa 45 der 900 unter Vertrag stehenden Spieler in den beiden höchsten deutschen Ligen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben. Doch seit Hitzlsperger hat sich niemand mehr öffentlich geoutet.
Die Abwesenheit offen schwuler Profifußballer bleibt ein Problem. Viele talentierte Sportler wenden sich vom Fußball ab, um Diskriminierung oder persönliche Konflikte zu entgehen. Der Fußball steht weiterhin in der Kritik, was seine Offenheit und die Unterstützung für LGBTQ+-Athlet:innen betrifft.






