Wiesbaden feiert Europatag mit Schuman-Erklärung und Bürgerdialog über die Zukunft Europas
Emma KochWiesbaden feiert Europatag mit Schuman-Erklärung und Bürgerdialog über die Zukunft Europas
Europatag wird in Wiesbaden zum Anlass, die eigene Rolle bei der Gestaltung eines vereinten Kontinents zu reflektieren. In diesem Jahr rückte die Stadt die Schuman-Erklärung in den Fokus – einen Vorschlag aus dem Jahr 1950, der den Grundstein für die heutige Europäische Union legte. Bürgerinnen und Bürger waren eingeladen, Ausstellungen zu erkunden und ihre eigenen Visionen für eine stärker vernetzte Zukunft zu teilen.
Am 9. Mai 1950 präsentierte der französische Außenminister Robert Schuman die Idee der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Sein Plan sah vor, die Kohle- und Stahlindustrien Frankreichs und Deutschlands unter eine gemeinsame Autorität zu stellen. Das Ziel war klar: Durch die wirtschaftliche Verknüpfung sollte ein Krieg zwischen den beiden Nationen „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“ werden.
Die EGKS wurde zur ersten einer Reihe übernationaler Institutionen, die schließlich in der Europäischen Union aufgingen. Jahrzehnte später bleibt ihr Erbe ein Grundpfeiler der Zusammenarbeit. Maral Koohestanian, die Wiesbadener Beauftragte für Europäische Angelegenheiten, bezeichnete die Erklärung als einen „Wendepunkt, der ehemalige Feinde zu Partnern machte“.
In diesem Jahr beging Wiesbaden den Europatag mit einer Ausstellung im Zukunftswerk, die die Arbeit des Europarats im Bereich der Menschenrechte vorstellte. Besucher wurden dazu angeregt, über Demokratie und die eigene Gesellschaft nachzudenken. Zudem stärkte die Stadt den Austausch mit ihren europäischen Partnerstädten und festigte so die grenzüberschreitenden Verbindungen.
Koohestanian betonte, dass Europa ein „fortwährender Prozess“ sei, der aktives Mitwirken erfordere. „Ein stärkeres Europa entsteht, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und in Dialog treten“, so ihre Überzeugung. Um dies in die Praxis umzusetzen, lud Wiesbaden die Bürger ein, Vorschläge zur Stärkung der europäischen Identität der Stadt einzureichen. Die besten Ideen werden umgesetzt und prämiert.
Die Feierlichkeiten in Wiesbaden vermittelten eine klare Botschaft: Europa beginnt dort, wo Menschen miteinander reden, diskutieren und gemeinsam handeln. Mit Initiativen von Ausstellungen bis zu bürgernahen Projekten hält die Stadt den Geist der Schuman-Erklärung lebendig. Indem sie lokale Teilhabe fördert, gestaltet Wiesbaden seine Zukunft als europäische Stadt – Schritt für Schritt, Idee für Idee.






