"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch zeigt unbekannte Alltagswelten in Deutschland
Lukas Hoffmann"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch zeigt unbekannte Alltagswelten in Deutschland
Ein neues Buch bietet einen seltenen Einblick in den Alltag jüdischer Menschen in Deutschland. Unter dem Titel "Worüber Jüdinnen und Juden sprechen: Zehn Gespräche aus Deutschland" geht es über die übliche öffentliche Fokussierung auf Holocaust-Gedenken oder Nahostkonflikte hinaus. Die Autoren Joshua Schultheis und Mascha Malburg argumentieren, dass das Zuhören jüdischer Stimmen selbst der Schlüssel ist, um ihre Erfahrungen zu verstehen.
Das Buch versammelt Gespräche mit acht Jüdinnen und Juden, die jeweils unterschiedliche Hintergründe haben. Manche sind aus der Ukraine oder Russland eingewandert, andere haben tiefe familiäre Wurzeln in Deutschland. Zu Wort kommen auch Jüdinnen und Juden aus New York und Tel Aviv, die heute Berlin ihre Heimat nennen, sowie solche, die sich in ostdeutschen Städten gegen rechtsextreme Einflüsse engagieren.
Die Autor:innen legen bewusst Wert auf ein breites Spektrum an Identitäten. Leser:innen begegnen aschkenasischen und sephardisch-mizrachischen Perspektiven, queeren Jüdinnen und Juden sowie Menschen mit väterlicherseits jüdischer Herkunft. Schultheis, politischer Redakteur bei der "Jüdischen Allgemeinen", und Malburg, Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf den Theorien Hannah Arendts, hinterfragen die oft eingeschränkte Darstellung jüdischen Lebens in der öffentlichen Debatte.
Erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag, wurde die Buchpräsentation von Dinah Riese moderiert, der Leiterin der Inlandsredaktion der Verlagswebsite. Die Autor:innen betonen, dass jüdische Erfahrungen in Deutschland weit über Krisenmomente oder Gedenktage hinausgehen.
Das Werk zielt darauf ab, ein enges öffentliches Bild jüdischen Lebens zu korrigieren. Indem es vielfältige Stimmen versammelt, zeigt es eine Gemeinschaft, die weder homogen ist noch sich allein über historische Traumata definiert. Die Veröffentlichung bereichert die aktuellen Diskussionen über jüdische Identität im heutigen Deutschland.






