AfD zerrissen: Machtkampf um Außenpolitik spaltet die Partei bis ins Mark
Paul FischerAfD zerrissen: Machtkampf um Außenpolitik spaltet die Partei bis ins Mark
Ein erbitterter innerparteilicher Streit über die Außenpolitik erschüttert die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei ist gespalten zwischen Befürwortern einer engeren Anbindung an die USA und einer Fraktion, die den Abzug der amerikanischen Truppen fordert. Der Konflikt hat tiefe Gräben aufgedeckt, in denen führende Köpfe der Partei öffentlich über Bündnisse und Verteidigungspolitik aneinandergeraten.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen der verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen und der Spitzenpolitiker Maximilian Krah, die beide unter Druck der prorussischen Flügel um Björn Höcke geraten sind. Die Spaltung vertiefte sich, als AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen bis 2026 forderte. Krah widersprach dieser Haltung offen und argumentierte, Deutschland brauche "starke Partner". Er warnte, radikale Positionen könnten die Partei weiter isolieren. Verantwortlich für die politische Quarantäne, die der AfD den Weg zur Macht versperrt, machte er die harte Linie der Partei – etwa die Ablehnung der nuklearen Teilhabe der NATO und die feindselige Haltung gegenüber eingebürgerten Migranten.
Auch der verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen sieht sich wegen seiner westlichen Ausrichtung mit Gegenwind konfrontiert. Er wirft Höckes Flügel vor, ihn loswerden zu wollen, nachdem er Russland als größte Bedrohung für die östliche Flanke der NATO bezeichnet hatte. Sein Bekenntnis zu den transatlantischen Bündnissen hat ihn innerhalb der eigenen Reihen zum Ziel von Angriffen gemacht.
Die Konflikte beschränken sich nicht auf Personalien. Ein Entwurf einer Pressemitteilung des AfD-Verteidigungsexperten Hannes Gnauck, in der er im Iran-Konflikt die USA unterstützte, wurde von den Parteivorsitzenden Alice Weidel und Chrupalla unterdrückt. Gleichzeitig hält Martin Sellners umstrittenes "Remigrations"-Konzept die AfD in der Kritik – Beobachter zweifeln zunehmend daran, ob die Partei noch an verfassungsmäßige Grundsätze gebunden ist.
Krah warnte, der aktuelle Kurs der AfD – geprägt von antiamerikanischer Rhetorik und radikalen Migrationsplänen – könnte eine Regierungsbeteiligung bis 2029 unmöglich machen. Die wechselhafte Haltung der Partei zur NATO, zunächst prorussisch, dann pro-Trump, hat das interne Chaos nur noch verschärft.
Der außenpolitische Richtungsstreit der AfD zeigt keine Anzeichen einer Beilegung. Lucassen und Krah geraten weiter unter Druck durch einen Flügel, der westliche Bündnisse ablehnt, während die Parteiführung mühsam versucht, die Folgen einzudämmen. Mit den anstehenden Wahlen 2029 riskiert die AfD, potenzielle Partner und Wähler weiter zu verprellen.
Dass sich die Partei nicht klar von extremistischen Stimmen wie Sellner distanziert, nährt zudem Zweifel an ihrer demokratischen Legitimität. Vorerst überlagert der interne Machtkampf der AfD ihre politischen Ambitionen.






