Angélica Liddells provokantes Seppuku feiert rauschhafte Premiere in Wien
Heinz-Walter Koch IIAngélica Liddells provokantes Seppuku feiert rauschhafte Premiere in Wien
Angélica Liddells neues Werk Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben hat im Wiener Volkstheater Premiere gefeiert. Die Inszenierung ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die sich in diesem Jahr unter dem Motto „Republik der Götter“ mit Leben, Tod und dem Makabren auseinandersetzen.
Die zweistündige Aufführung bezieht sich stark auf das Leben und den Tod des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. Liddell inszeniert seinen rituellen Selbstmord, Seppuku, in einer stilisierten und intensiven Bühnensequenz nach. Mishima selbst hatte diesen Akt der selbstgewählten Todesart nicht nur geplant, sondern später auch vollzogen – ein Ereignis, das bis heute Liddells künstlerisches Schaffen prägt.
Die Produktion integriert zudem tief persönliche Elemente. So trägt Liddell Kleidungsstücke verstorbener Menschen, um deren Leid in sich aufzunehmen. Ein besonders drastisches Kunstwerk zeigt Blut, das ihr und einer weiteren Darstellerin entnommen wird, was die rohe emotionale Wucht der Szene verstärkt. Den Höhepunkt bildet Liddells leidenschaftliches Plädoyer für den Suizid – ein Thema, das sie mit einer eigenen Erfahrung verknüpft: dem miterlebten Selbstmord einer Frau in Madrid am 7. Januar 2024.
Die Aufführung verbindet persönliches Trauma mit historischer Reflexion und bietet eine schonungslose Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und künstlerischem Ausdruck. Liddells Werk ist ein mutiger Beitrag zur diesjährigen Festwochen-Thematik existenzialistischer Fragen.






