Autofreies Berlin scheitert: Warum der S-Bahn-Ring doch nicht autofrei wird
Stjepan HeinrichAutofreies Berlin scheitert: Warum der S-Bahn-Ring doch nicht autofrei wird
Ehrgeiziger Plan für Autofreies Berlin im S-Bahn-Ring scheitert an mangelnder Unterstützung
Ein kühner Vorstoß, den Großteil der Autos innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings zu verbieten, ist gescheitert, nachdem die notwendige Unterstützung ausgeblieben ist. Die unter dem Namen Autofreies Berlin bekannte Initiative wollte die Innenstadtstraßen umgestalten, indem Busse, Straßenbahnen und Einsatzfahrzeuge Vorrang erhalten hätten. Die Organisatoren verfehlten jedoch bis zum Stichtag am 8. Mai die erforderliche Anzahl an Unterschriften.
Der Vorschlag zielte darauf ab, den Autoverkehr innerhalb des S-Bahn-Rings drastisch einzuschränken. Laut den Plänen wären nur Taxis, Einsatzfahrzeuge, kleine Elektroautos und der öffentliche Nahverkehr zugelassen gewesen. Anwohner hätten jährlich zwölf selbst gewählte Tage erhalten, an denen sie uneingeschränkt in der Zone hätten fahren dürfen.
Kritiker warfen der Initiative vor, sie setze Verbote vor den Ausbau der Infrastruktur. Statt zunächst Straßenbahnen und Buslinien auszubauen, sollten Autos verboten werden – in der Hoffnung, dass die Verkehrsverbesserungen später folgen würden. Auch die Durchsetzung des Verbots hätte eine Herausforderung dargestellt: Ständige Kontrollen wären nötig gewesen, um zu verhindern, dass Autofahrer die Regeln ignorieren.
Eine Umfrage im Januar zeigte gespaltene Meinungen: Zwar befürworteten 59 Prozent der Berliner die Umwandlung von Autospuren in Bus- oder Straßenbahnstrecken, doch 67 Prozent wünschten sich strengere Parkregeln, um zu verhindern, dass große Fahrzeuge zu viel Platz beanspruchen. Fast ein Viertel der in der Region zugelassenen Fahrzeuge sind bereits gewerblich genutzt – ein Hinweis darauf, dass viele Fahrende auf ihr Auto angewiesen sind, um ihrer Arbeit nachzugehen.
Die Befürworter betonten, der Plan sei sorgfältig ausgearbeitet worden. Ziel sei es gewesen, nur jene Autos zu verbieten, die realistisch durch Radfahren oder öffentliche Verkehrsmittel ersetzt werden könnten. Doch ohne ausreichende öffentliche Rückendeckung kam es nie zu einer Abstimmung über den Vorschlag.
Das Scheitern der Initiative Autofreies Berlin lässt die Debatte um die Verkehrswende in der Stadt ungelöst. Zwar unterstützen viele Bürger bessere öffentliche Verkehrsmittel und strengere Parkvorschriften, doch ein vollständiges Autoverbot erwies sich als zu umstritten. Vorerst bleiben Berlins Straßen für alle Fahrzeuge offen.






