Bundesweite Razzia enthüllt systematische Ausbeutung bei Paketdiensten
Moritz MüllerBundesweite Razzia enthüllt systematische Ausbeutung bei Paketdiensten
Großrazzia deckt flächendeckende Ausbeutung in Deutschlands Paketbranche auf
Eine bundesweite Untersuchung hat schwerwiegende Verstöße gegen Arbeitsrechte in der deutschen Paketzustellbranche ans Licht gebracht. Zollbeamte führten landesweit Kontrollen durch und entdeckten illegale Beschäftigungspraktiken sowie ausstehende Löhne. Die Razzia folgt auf das rasante Wachstum des Onlinehandels, das zu einer starken Abhängigkeit von Subunternehmern geführt hat.
Über 2.900 Zollmitarbeiter prüften Zustellfirmen in Städten wie Köln und Münster. Allein in Köln wurden 27 Unternehmen unter die Lupe genommen, in Münster standen 16 Betriebe auf dem Prüfstand. Viele Fahrer arbeiteten ohne gültige Verträge oder wussten nicht einmal über ihren eigenen Beschäftigungsstatus Bescheid.
In zahlreichen Fällen wurden Mindestlöhne vorenthalten – einige Beschäftigte erhielten weniger als die gesetzlichen 13,90 Euro pro Stunde. Überstunden und Ladezeiten wurden oft nicht erfasst, sodass Fahrer systematisch unterbezahlt wurden. In Köln wurde ein 39-jähriger Türke ohne gültige Arbeitserlaubnis angetroffen.
Die Ermittlungen förderten zudem zutage, dass viele Fahrer ihre Fahrzeuge gar nicht besaßen, sondern sie zu hohen Kosten von ihren Arbeitgebern leasten – was ihre ohnehin mageren Einkünfte weiter schmälert. Große Logistikunternehmen wie Amazon, DPD, Hermes und GLS setzen stark auf Subunternehmer, während die DHL sie seltener einsetzt.
Finanzminister Lars Klingbeil betonte, die Aktion diene dem Ziel, die Ausbeutung von Arbeitnehmern zu beenden und staatliche Einnahmen zu sichern. Die Ergebnisse zeigen strukturelle Missstände in der Branche, wo Subunternehmertum längst zur Norm geworden ist. Mit weiteren Kontrollen soll gegen anhaltende Verstöße vorgegangen werden.






