Chaos bei NGO-Förderung: Staat scheitert an veralteten Papierakten und fehlender Transparenz
Stjepan HeinrichChaos bei NGO-Förderung: Staat scheitert an veralteten Papierakten und fehlender Transparenz
Parlamentsuntersuchung zu staatlicher NGO-Förderung scheitert an veralteter Aktenführung
Eine parlamentarische Anfrage zur Förderung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) durch die deutsche Bundesregierung ist auf ein großes Hindernis gestoßen: veraltete Aktenführung. Beamte räumten ein, dass sie keinen vollständigen Überblick geben könnten, da viele Unterlagen noch immer nur in Papierform vorlägen. Das Problem wurde bekannt, als Familienministerin Karin Prien die Streichung von 200 Projektzuschüssen ankündigte und damit die Förderprioritäten ihres Ministeriums neu ausrichtete.
Ziel der Anfrage war es, die finanzielle Unterstützung zu erfassen, die Bundesministerien zwischen 2020 und 2026 an Organisationen vergeben hatten. Doch die Regierung antwortete, dass die Zusammenstellung der Daten die Prüfung von über 40.000 Einzelzuschüssen erfordern würde. Schätzungen zufolge würde diese Aufgabe Tausende Arbeitsstunden in Anspruch nehmen.
Das Innenministerium veröffentlichte zwar eine 39-seitige Liste geförderter Projekte, aus der hervorgeht, dass unter anderem die Amadeu Antonio Stiftung, Correctiv und Die Falken Mittel erhielten. Einige Zuschüsse flossen in Initiativen wie Audream, eine mobile antirassistische Bibliothek, die von Die Falken betrieben wird. Weitere geförderte Vorhaben beschäftigten sich mit Themen wie "Queerness", "Antirassismus" sowie "Erbe und Täterkontinuität".
Doch viele Projekte, die unter früheren Innenministern noch Geld erhielten, tauchen im diesjährigen Haushalt nicht mehr auf. Zu den auffälligen Fehlstellen zählen die Amadeu Antonio Stiftung und Radikale Töchter. Da es keine zentrale digitale Datenbank gibt, lassen sich nur bruchstückhafte Informationen durch Einzelanfragen oder ministeriumsinterne Akten rekonstruieren.
Familienministerin Karin Prien kündigte unabhängig davon eine Neuausrichtung der NGO-Förderung ihres Ressorts an. In der Folge wurden rund 200 laufende Projektzuschüsse gestrichen.
Die Abhängigkeit der Regierung von Papierakten macht eine lückenlose Aufstellung der NGO-Förderung unmöglich. Ohne ein zentrales System bleibt die Nachverfolgung von Zuschüssen ein zeitaufwendiger Prozess. Die Kürzungen und Umverteilungen der Mittel werden nun ohne vollständige Transparenz über frühere Vergaben vorangetrieben.






