Frankfurts Finanzbranche hofft auf Rentenreform als "Game-Changer" für Sparer
Lukas HoffmannFrankfurts Finanzbranche hofft auf Rentenreform als "Game-Changer" für Sparer
Frankfurts Finanzbranche fiebert der neuen privaten Rentenreform entgegen. Die Pläne der Bundesregierung, das seit langem kritisierte Riester-Modell abzuschaffen, sorgen bei Banken, Versicherungen und Investmentfirmen für Aufbruchstimmung. Branchenvertreter sprechen von einem möglichen "Game-Changer" für Verbraucher und Finanzinstitute gleichermaßen.
Das aktuelle Riester-Rentenmodell, 2002 eingeführt, steht seit Jahren in der Kritik: zu kompliziert, mit hohen Gebühren und mageren Renditen. Zwar erhalten Bürger staatliche Zulagen – etwa 175 Euro Grundbetrag pro Jahr sowie Kinderzulagen von 185 oder 300 Euro –, doch die starre Struktur, übermäßige Risikoscheu und bürokratische Hürden haben das Wachstum gebremst. Viele sehen darin ein gescheitertes System – zu unflexibel, intransparent und mit zu viel Verwaltungsaufwand belastet.
Die Reform soll die Altersvorsorge vereinfachen, indem klassische Riester-Verträge bis 2027 schrittweise auslaufen. An ihre Stelle treten neue Produkte wie das Altersvorsorgedepot, das Kosten senken, Bürokratie abbauen und starre Garantien abschaffen soll. Bestehende Verträge behalten zwar ihre staatliche Förderung, doch künftige Sparer werden in das überarbeitete System wechseln.
In Frankfurt bereiten sich Finanzunternehmen bereits auf den Wandel vor. Marketingabteilungen, Buchhalter und Dienstleister passen ihre Strategien an die neuen Regeln an. Eine "Goldgräberstimmung" hat sich breitgemacht – die Institute wetteifern darum, die Veränderungen für sich zu nutzen.
Branchenexperten zeigen sich optimistisch. Hans Joachim Reinke von Union Investment nennt die Reform die "bedeutendste Entwicklung seit 2002". Michael Mohr von der DWS spricht von einem "Superbooster" und einem "echten Game-Changer", während Christian Machts von Franklin Templeton eine "Revolution" vorhersagt. Doch ob die Reform tatsächlich den Bürgern zugutekommt oder eher den Finanzinstituten nützt, hängt von den finalen Details ab – die noch von der Berliner Koalitionsregierung ausgehandelt werden.
Der Erfolg der Reform steht und fällt mit der endgültigen Gesetzgebung. Wird sie wie geplant umgesetzt, könnte sie die Altersvorsorge vereinfachen, Kosten senken und die Renditen für Sparer verbessern. Bis dahin beobachtet Frankfurts Finanzwelt gespannt, wie Berlin die Regeln finalisiert.