Fußball-WM entfacht kurzlebigen Patriotismus – warum Deutschland sonst Fahnen meidet
Stjepan HeinrichFußball-WM entfacht kurzlebigen Patriotismus – warum Deutschland sonst Fahnen meidet
Öffentliche Zeugen nationaler Stolzes in Deutschland lösen oft kontroverse Diskussionen aus. Das Schwenken von Fahnen und patriotische Symbole bleiben für viele politisch heikel. Doch alle vier Jahre verändert die Fußball-Weltmeisterschaft diese Dynamik – wenn auch nur vorübergehend.
Nationalfeiertage in Deutschland verlaufen in der Regel eher unauffällig. Die Feierlichkeiten fallen meist zurückhaltend aus, und offene Bekundungen von Patriotismus sind selten. Selbst die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mied Begriffe wie Vaterland oder deutsches Volk und unterstrich damit die zurückhaltende Haltung des Landes gegenüber Nationalismus.
2013 konfiszierte Merkel an ihrem Wahlabend sogar eine deutsche Fahne, die ihr Parteikollege Hermann Gröhe geschwenkt hatte. Dieser Vorfall verdeutlichte die angespannte Beziehung zu nationalen Symbolen. Eine aktuelle Arte-Dokumentation geht dieser Thematik weiter nach und setzt den fußballbedingten Patriotismus in Verbindung mit dem Aufstieg von Bewegungen wie Pegida und der AfD.
Der Film argumentiert, dass eine positive Feierkultur des Patriotismus dazu beitragen könnte, Fahnen und Banner zu normalisieren. Für viele bleibt die Weltmeisterschaft die Ausnahme. Das Turnier löst eine vorübergehende Welle nationaler Begeisterung aus – Fans schmücken Autos und Häuser in Schwarz-Rot-Gold.
Die WM schafft ein seltenes, wenn auch flüchtiges Gefühl der Einheit. Manche hoffen, dass der Erfolg der Nationalmannschaft zu offeneren Ausdrucksformen des Stolzes ermutigen könnte. Bisher jedoch bleiben solche Bekundungen eng mit dem Fußball und großen Sportereignissen verknüpft.






