08 May 2026, 00:11

Historiker Möller warnt vor oberflächlichen Geschichtsvergleichen in der öffentlichen Debatte

Altes Buch mit dem Titel "Beobachtungen historisch-politisch im Instrumentum Pacis" aufgeschlagen auf einer Seite mit schwarzer Tinte in einem dekorativen Rahmen.

Historiker Möller warnt vor oberflächlichen Geschichtsvergleichen in der öffentlichen Debatte

Der Historiker Horst Möller hat sich zu den häufigen historischen Vergleichen in öffentlichen Debatten geäußert. Seine Stellungnahme erfolgt zu einer Zeit, in der Medien wie Der Spiegel und Stern mit provokanten Titelbildern umstrittene Parallelen ziehen. Möller warnt davor, Geschichte durch die isolierte Betrachtung einzelner Ereignisse zu vereinfachen und dabei den Kontext außer Acht zu lassen.

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Möller betont, dass sowohl die Weimarer Republik als auch die Bundesrepublik Deutschland Krisen durchlebt haben – allerdings auf völlig unterschiedlichen Zeitskalen. Während die Weimarer Republik innerhalb von zwölf Jahren unterging, erstrecken sich die Herausforderungen des modernen Deutschlands über 76 Jahre. Er weist darauf hin, dass nach dem Ersten Weltkrieg alle europäischen Demokratien labil waren, nicht nur Deutschland.

Der Historiker rät davon ab, unvollendete historische Ereignisse miteinander zu vergleichen, und plädiert dafür, umfassende Analysen erst dann vorzunehmen, wenn sich der geschichtliche Prozess abgeschlossen hat. Nur so ließen sich langfristige Folgen angemessen bewerten. Zudem lehnt Möller es ab, die Alternative für Deutschland (AfD) pauschal als „faschistisch“ zu bezeichnen, da es in der Partei keinen personenzentrierten „Führerkult“ gebe, wie er historisch bekannt ist.

In der öffentlichen Diskussion werden oft dramatische Vergleiche bemüht – etwa wenn die aktuelle Regierung mit dem SED-Regime der DDR gleichgesetzt oder Kritik an Corona-Maßnahmen mit dem Widerstand der Sophie Scholl in Verbindung gebracht wird. Auch die Medien tragen zu dieser Tendenz bei: Stern zeigte etwa Donald Trump mit Hitlergruß unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ (Sein Kampf). Der Spiegel inszenierte Trump ebenfalls in provokanten Bildern, etwa als Komet, der auf die Erde zurast, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand.

Möllers Aussagen unterstreichen die Gefahren voreiliger historischer Gleichsetzungen. Er argumentiert, dass fundierte Vergleiche nur möglich sind, wenn vollständige historische Abläufe betrachtet werden – nicht einzelne, herausgegriffene Momente. Seine Position stellt die Art und Weise infrage, wie Medien und öffentliche Persönlichkeiten aktuelle politische Debatten oft rahmen.

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