Lehrerverbeamtung: Sachsen und Brandenburg planen radikalen Ausstieg – doch nicht alle Länder folgen
Emma KochLehrerverbeamtung: Sachsen und Brandenburg planen radikalen Ausstieg – doch nicht alle Länder folgen
Die Debatte über die Verbeamtung von Lehrkräften spaltet zunehmend die deutschen Bundesländer. Brandenburgs neuer Bildungsminister prüft nun einen Vorschlag aus Sachsen, der einen schrittweisen Ausstieg aus dem Beamtenstatus für Lehrer vorsieht. Nachdem Sachsen das Thema offiziell in der Kultusministerkonferenz (KMK) eingebracht hat, wird die Frage nun auf Bundesebene diskutiert.
Sachsens Bildungsminister Conrad Clemens treibt die Reform voran und argumentiert, dass angespannte Haushalte und steigende Pensionslasten die Verbeamtung unhaltbar machten. Sein Bundesland hatte den Beamtenstatus für Lehrkräfte 2019 wieder eingeführt, doch finanzielle Zwänge haben die Debatte seitdem neu entfacht. Brandenburgs CDU-Bildungsminister Gordon Hoffmann zeigt sich offen für den sächsischen Plan eines schrittweisen Abbaus – betont jedoch, dass eine Reform bundesweit einheitlich umgesetzt werden müsse, um regionale Ungleichheiten zu vermeiden.
Daten des Statistischen Bundesamtes belegen einen klaren Trend in Ländern, die die Verbeamtung bereits eingeschränkt haben: In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen – wo der Beamtenstatus für neu eingestellte Lehrkräfte bis 2019 weitgehend abgeschafft wurde – stieg der Anteil der Lehrkräfte mit regulären Arbeitsverträgen zwischen 2019 und 2024 um 20 bis 30 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil verbeamteter Lehrkräfte um 5 bis 15 Prozent. Brandenburgs eigene Zahlen für das Schuljahr 2025/2026 zeigen, dass 31,1 Prozent der Lehrkräfte an staatlichen Schulen regulär angestellt sind; 19,7 Prozent der nicht verbeamteten Beschäftigten sind Quereinsteiger.
Nicht alle Länder überdenken die Praxis: Berlins Bildungssenat hat nach der Wiedereinführung der Verbeamtung 2023 eine erneute Debatte ausgeschlossen. Der Deutsche Lehrerverband warnt unterdessen vor einer Abschaffung und argumentiert, der Beamtenstatus stärke die Verfassungstreue der Lehrkräfte – ein entscheidender Schutz angesichts wachsender extremistischer Bedrohungen. Auch der Bund der Steuerzahler meldete sich zu Wort und forderte eine generelle Reduzierung der Beamtenzahlen, um die öffentlichen Haushalte zu entlasten.
Die KMK wird den sächsischen Vorschlag nun in ihrer Donnerstagssitzung beraten. Sollte der Reformvorschlag angenommen werden, könnte dies die Beschäftigungsbedingungen für Lehrkräfte in ganz Deutschland verändern. Vorerst bleibt die Spaltung bestehen: Einige Länder sehen die Verbeamtung als finanzielle Belastung, andere als unverzichtbare Garantie für Stabilität und Sicherheit.






