Nitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – Patienten ohne Blutdruckmedikament
Emma KochNitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – Patienten ohne Blutdruckmedikament
Deutschland leidet unter anhaltendem Nitrendipin-Mangel
In Deutschland herrscht weiterhin ein Engpass bei Nitrendipin, einem weit verbreiteten Kalziumantagonisten zur Behandlung von Bluthochdruck. Die Probleme begannen im vergangenen Sommer und betreffen mittlerweile sowohl die 10-mg- als auch die 20-mg-Dosierung. Behörden und Hersteller haben Lieferverzögerungen bestätigt – mit einigen Chargen, die frühestens Ende 2024 wieder verfügbar sein dürften.
Nitrendipin gehört zur Gruppe der Kalziumkanalblocker, die durch Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zellen die Gefäße entspannen und so den Blutdruck senken. Diese Medikamente werden auch bei Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern eingesetzt.
Erstmals gemeldet wurde der Lieferengpass vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Sämtliche Hersteller haben die Auslieferung beider Stärken eingestellt, sodass Patienten derzeit keine Möglichkeit zum Bezug haben. Der Hersteller Aristo, einer der größten Anbieter, führte Produktionsprobleme an und warnte, dass seine 20-mg-Tabletten voraussichtlich bis Jahresende nicht lieferbar sein werden.
Andere Unternehmen nennen etwas frühere Zeitpläne: Ratiopharm und Aliud Pharma wollen die 20-mg-Variante bis Ende März wieder anbieten, AbZ rechnet mit einer Wiederaufnahme der Lieferungen bis Ende Mai. Bis dahin greifen Ärzte auf Alternativen wie Amlodipin, Lercanidipin und Felodipin zurück – ebenfalls Dihydropyridin-Kalziumantagonisten.
Kalziumkanalblocker lassen sich grob in drei Hauptgruppen einteilen: Nifedipin, Verapamil und Diltiazem. Allerdings sind sie nicht für jeden Patienten geeignet. Menschen mit Herzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt sollten sie meiden, da Risiken bestehen.
Der Nitrendipin-Mangel unterstreicht die größeren Versorgungsprobleme bei älteren Medikamenten. Da einige Präparate erst Ende 2024 wieder verfügbar sein dürften, bleiben Ärzte vorerst auf Ersatztherapien angewiesen. Patienten wird geraten, vor einem Wechsel des Medikaments Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt zu halten.






