Streit um 3,5-Milliarden-Überschuss der Krankenkassen entbrennt zwischen Apothekern und Politik
Paul FischerStreit um 3,5-Milliarden-Überschuss der Krankenkassen entbrennt zwischen Apothekern und Politik
Gesetzliche Krankenversicherung verzeichnet 2022 einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro
Der unerwartete Finanzzuwachs hat eine hitzige Debatte zwischen Apothekern und Gesundheitsbehörden über eine angemessene Vergütung für die Rolle der Branche bei der Kostensenkung ausgelöst. Frank-Martin Welzig, Inhaber der Hils-Apotheke in Delligsen, Niedersachsen, kritisierte in einem Schreiben an Gesundheitsministerin Nina Warken die Verwendung des Überschusses. Den aktuellen Entwurf zur Apothekenreform, der die feste Apothekengebühr unverändert lässt, bezeichnete er als "Schlag ins Gesicht" für den gesamten Berufsstand.
Welzig argumentierte, dass die Apotheken maßgeblich durch Rabattverträge mit den Krankenkassen zum Überschuss beigetragen hätten. Diese Verträge, so betonte er, bedeuteten für Apotheker zusätzlichen Verwaltungsaufwand – etwa bei der Aufklärung der Patienten über die Änderungen. Der Überschuss solle daher als Anerkennung ihrer Leistungen gewertet werden und nicht als Grund, bessere Finanzmittel vorzuenthalten.
Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entgegnete, der Überschuss reiche nicht aus, um die aufgezehrten Rücklagen vollständig wieder aufzufüllen. Trotz der finanziellen Entlastung bleibe die langfristige Stabilität des Systems fraglich.
Der Streit zeigt die Spannungen bei der Verteilung der Einsparungen im Gesundheitssystem auf. Apotheker wie Welzig fordern eine fairere Bezahlung für ihre Arbeit bei der Umsetzung von Sparmaßnahmen. Die Krankenkassen hingegen warnen, dass der Überschuss allein die tieferliegenden Finanzprobleme nicht lösen werde.






