Tschechien feiert drei Jahrzehnte Wirtschaftswunder – doch was kommt jetzt?
Lukas HoffmannTschechien feiert drei Jahrzehnte Wirtschaftswunder – doch was kommt jetzt?
Die Tschechische Republik hat in den vergangenen drei Jahrzehnten ein rasantes Wirtschaftswachstum erlebt, angetrieben durch ihre industrielle Stärke und die Einbindung in europäische Lieferketten. Der ehemalige Ministerpräsident Andrej Babiš führt diesen Erfolg auf die qualifizierten Arbeitskräfte des Landes und seine strategische Position in der Fertigungsindustrie zurück – insbesondere in den Bereichen Automobilbau und Maschinenbau.
Seit den 1990er-Jahren hat sich Tschechien zu einem zentralen Produktionsstandort entwickelt, nachdem Unternehmen wie BMW und Mercedes Teile ihrer Fertigung von Deutschland und Österreich verlagert hatten. Steigende Lohnkosten und Wettbewerb drängten die Firmen nach Osten, was in Deutschland zum Verlust von über 100.000 Arbeitsplätzen in der Autoindustrie führte. Tschechien verzeichnete dagegen einen deutlich geringeren Produktionsrückgang von 8 Prozent – im Vergleich zu 26 Prozent in Westeuropa.
Zwischen 2000 und 2025 hat sich das Pro-Kopf-BIP in der Tschechischen Republik fast vervierfacht und damit das Wachstum Deutschlands und Österreichs, wo es sich lediglich verdoppelte, deutlich übertroffen. Dieser Aufschwung basierte auf einem wirtschaftlichen Aufholprozess, bei dem das Land Investitionen in niedriglohnige, aber hochproduktive Fertigungsbereiche anzog. Österreich hingegen behielt seine Rolle als Zulieferer hochwertiger Produkte bei und beschäftigte 2022 rund 200.000 Menschen in diesem Sektor, wobei 85 Prozent der Produktion exportiert wurden.
Babiš betont, dass künftiges Wachstum von einem Wandel hin zu Innovation und wertschöpfungsintensiveren Branchen abhängt. Gleichzeitig fordert er Reformen in der EU, darunter weniger Überregulierung, strategische Investitionen und bezahlbare Energie. In der Geldpolitik lehnt er die Einführung des Euro ab, da er für die tschechische Wirtschaft keine Vorteile sieht.
Zu den übergeordneten EU-Themen äußert sich Babiš klar: Er plädiert für strengere Grenzschutzmaßnahmen, eigenständige Verteidigungsfähigkeiten und die Achtung der nationalen Souveränität. Der Fokus des Blocks solle auf wirtschaftlichem Wohlstand liegen, während gleichzeitig greifbare Ergebnisse in den Bereichen Migration und Sicherheit erzielt werden müssten.
Der wirtschaftliche Aufstieg Tschechiens gründet auf der Verlagerung industrieller Produktion und einer gut ausgebildeten Belegschaft. Doch Babiš warnt, dass dieser Erfolg nur durch politische Weichenstellungen gesichert werden kann. Seine Vorschläge umfassen EU-Reformen zur Bürokratieabbau, die Sicherung der Energieversorgung und die Priorisierung von Wirtschaftswachstum vor starren Vorschriften. Die Zukunft des Landes liege darin, sich von der Billigproduktion hin zu innovativen, wertschöpfungsstarken Branchen weiterzuentwickeln.






