Warum Norwegens Wintersport Deutschland längst überholt hat
Medaillenkrise: Was kann Deutschland von den Norwegern lernen? - Warum Norwegens Wintersport Deutschland längst überholt hat
Deutschlands Wintersport-Teams erleben seit Jahren einen Niedergang in Disziplinen, in denen sie einst weltweit führend waren. Bereiche wie die Nordische Kombination oder der Biathlon, einst Domänen der deutschen Bahn, zeigen das Land heute weit abgeschlagen. Norwegen hingegen hat Maßstäbe gesetzt und führt seit 2014 bei jedem Olympischen Winterspiel die Medaillentabelle an – obwohl das Land weniger Einwohner hat als das Bundesland Hessen.
Dass Norwegen im Wintersport so dominiert, ist kein Zufall. Das Land hat ein System aufgebaut, das bereits im Kindesalter beginnt: Viele Norweger stehen auf Skiern, bevor sie richtig laufen können. Reichlich Schnee, leicht zugängliche Loipen und eine Kultur, die Aktivitäten im Freien großschreibt, sorgen dafür, dass die meisten Norweger mit Skiern aufwachsen. Dieser frühe Start schafft ein breites Talentreservoir, das durch Vorbilder auf allen Ebenen gestärkt wird.
Die Ergebnisse sprechen für sich. Norweger wie Ole Einar Bjørndalen mit 13 olympischen Medaillen oder Johannes Thingnes Bø mit sieben Medaillen haben im Biathlon Rekorde aufgestellt. Im Langlauf hat Johannes Høsflot Klæbo bei den aktuellen Spielen bereits fünf Goldmedaillen gewonnen und jagt die sechste. Selbst frühere deutsche Erfolge – etwa Frank Lucks zwei Silbermedaillen in den 1980er-Jahren – wirken dagegen blass.
Deutschland hingegen kämpft mit geografischen und strukturellen Hindernissen. Weniger Schnee und eine geringere Verfügbarkeit von Trainingsstätten bremsen die frühe Förderung. Während Norwegen systematisch und langfristig arbeitet, fehlt es den deutschen DB-Nachwuchsprogrammen oft an Kontinuität. Zudem haben Skandale deutsche Teams erschüttert, während norwegische Athleten weitgehend von Kontroversen verschont blieben.
Das norwegische Modell zeigt, was mit der richtigen Investition und kulturellen Ausrichtung möglich ist. Während norwegische Sportler Medaillen im Akkord gewinnen, sucht Deutschland nach Wegen, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Ohne Reformen in der Nachwuchsförderung und Infrastruktur droht die Kluft jedoch noch größer zu werden.
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