27 April 2026, 12:17

Zollkontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – droht mehr Lohnbetrug und Ausbeutung?

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Zollkontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – droht mehr Lohnbetrug und Ausbeutung?

Zollkontrollen in Sachsen-Anhalt stark rückläufig – Experten warnen vor Lohnverstößen und Ausbeutung

In Sachsen-Anhalt sind die Zollkontrollen in den vergangenen drei Jahren drastisch zurückgegangen. Wie aus einem neuen Bericht hervorgeht, müssen sich Unternehmen deutlich seltener als früher auf Überprüfungen einstellen. Kritiker warnen, dass die nachlassende Kontrolldichte Arbeitnehmer:innen anfälliger für Lohnverstöße und Ausbeutung machen könnte.

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Zollüberwachung in Sachsen-Anhalt auf nur noch 42,4 Prozent des Niveaus von 2022 gesunken ist. Bei diesem Tempo muss ein durchschnittlicher Betrieb nur noch alle 90 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. Noch seltener werden Landwirtschaftsbetriebe überprüft: Hier findet eine Inspektion statistisch gesehen nur alle 234 Jahre statt.

Auch bei Arbeitsmarktprüfungen ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) führte 2022 noch 1.598 Arbeitgeberkontrollen durch – bis 2025 sank diese Zahl auf 691. Gleichzeitig verringerte sich auch die Anzahl der gemeldeten Unternehmen in der Region von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025.

Niedriglöhne bleiben ein hartnäckiges Problem. Aktuell verdienen 23,3 Prozent aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde. Besonders betroffen sind nicht tarifgebundene Betriebe, in denen 35 Prozent der Belegschaft unter dieser Grenze liegen. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen.

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Der Linken-Abgeordnete David Schliesing kritisiert die Situation als "Vollzugsblindheit" und macht massive Personalengpässe dafür verantwortlich. Er fordert dringend Verstärkung für den Zoll sowie die Benennung spezieller Staatsanwält:innen, um Lohnverstöße wirksamer zu bekämpfen.

Angesichts seltener Kontrollen und potenziell unentdeckter Verstöße wächst der Druck auf die Behörden, gegenzusteuern. Die geplante Mindestlohnerhöhung 2027 könnte zwar etwas Entlastung bringen – doch ohne ausreichende Überwachung droht ihr Effekt verpufft. Vorerst müssen Arbeitnehmer:innen und Unternehmen in Sachsen-Anhalt mit einem System leben, in dem Kontrollen deutlich seltener stattfinden als noch vor wenigen Jahren.

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