Entwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern mehr Geld und weniger Bürokratie von Berlin
Paul FischerEntwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern mehr Geld und weniger Bürokratie von Berlin
Am Mittwoch stellten die Generalsekretäre der Welthungerhilfe und von Terre des Hommes ihre jährliche Bewertung der deutschen Entwicklungspolitik vor. Mathias Mogge und Joshua Hofert wiesen auf wachsende Herausforderungen im Sektor hin, darunter Krisen, Kriege und die Folgen des Klimawandels. Sie warnten, dass die aktuellen Belastungen die Entwicklungszusammenarbeit zunehmend unter Druck setzen.
Mogge und Hofert kritisierten die Bundesregierung scharf, weil diese den Etat für Entwicklungszusammenarbeit seit 2022 um ein Drittel gekürzt habe. Für 2027 seien weitere Kürzungen geplant – trotz Forderungen nach einer Aufstockung der Mittel. Die Organisationen verlangten, die humanitäre Hilfe im nächsten Haushalt von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen.
Die beiden Vertreter bemängelten, dass die Reformpläne von Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan keine klare Strategie erkennen ließen. Die Zivilgesellschaft müsse bei der Ausgestaltung dieser Reformen eine zentrale Rolle spielen, betonten sie. Mogge unterstrich, es gehe weniger um eine Steigerung des Hilfsumfangs als vielmehr um eine Verbesserung der Qualität – mit weniger Bürokratie und mehr Eigenständigkeit für zivilgesellschaftliche Gruppen.
Hofert forderte, dass die Reformen nicht allein aus Berlin gesteuert werden dürften. Partnerländer, lokale Zivilgesellschaften und junge Menschen müssten von Anfang an und verbindlich einbezogen werden. Beide warnten zudem davor, dass eine Politisierung der Hilfe deren Grundprinzipien – Neutralität, Unabhängigkeit und bedarfsorientierte Unterstützung – untergraben könnte.
Die Organisationen betonten, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur dann funktionieren könne, wenn sie mit lokalen Akteuren abgestimmt werde. Sie verwiesen auf die Spannung zwischen deutschen Interessen und denen der Partnerländer und mahnten die Regierung, dieses Gleichgewicht herzustellen.
Der Bericht fordert dringendes Handeln, um die Haushaltskürzungen rückgängig zu machen und die Wirksamkeit der Hilfe zu steigern. Zudem wird eine breitere Beteiligung an den Reformprozessen angemahnt, damit die Entwicklungspolitik responsiv und gerecht bleibt. Ohne diese Änderungen, so die Warnung, werde die Fähigkeit des Sektors, globale Herausforderungen zu bewältigen, weiter schwinden.
