NRW verschärft Kampf gegen Slumwohnungen und ausbeuterische Vermieter
Caren PaffrathWie NRW den Missbrauch von Schrottimmobilien stoppt - NRW verschärft Kampf gegen Slumwohnungen und ausbeuterische Vermieter
Nordrhein-Westfalen will mit einem neuen Gesetz gegen Slumwohnungen und ausbeuterische Vermieter vorgehen. Die Landesregierung hat den Entwurf für das Gesetz für faires Wohnen verabschiedet, das strengere Regeln für Problemimmobilien einführen soll. Falls das Parlament zustimmt, könnte das Gesetz bereits in diesem Herbst in Kraft treten und das Wohnungsstärkungsgesetz von 2021 ersetzen.
Der Vorstoß folgt auf Besorgnis über schlechte Wohnbedingungen in Arbeiterunterkünften, insbesondere in Städten wie Duisburg, Gelsenkirchen und Oberhausen. Die Behörden erhalten damit schärfere Eingriffsmöglichkeiten, darunter Bußgelder von bis zu 500.000 Euro bei Verstößen.
Das neue Gesetz richtet sich gegen den Missbrauch von Wohnraum, slumähnliche Zustände und ausbeuterische Wohnpraktiken. Erstmals wird darin die ausbeuterische Bereitstellung von Wohnraum explizit verboten, was den Kommunen mehr Spielraum gibt, Standards durchzusetzen. Lokale Behörden können Vermieter nun verpflichten, ihre Immobilien zu registrieren und sich Qualitätskontrollen zu unterziehen.
Zudem erhalten die Behörden erweiterte Eingriffsbefugnisse, etwa die Möglichkeit, Treuhänder für vernachlässigte Immobilien zu bestellen. In Extremfällen kann sogar eine Enteignung in Betracht kommen – allerdings nur, wenn Kaufverhandlungen scheitern und das Grundstück saniert werden muss. Das Gesetz verschärft auch die Regeln für Kurzzeitvermietungen und senkt die Schwelle, ab der Genehmigungen erforderlich sind.
Die Landesverwaltung will damit rechtliche Lücken zwischen Ordnungsrecht, Sozialgesetzgebung und Mietrecht schließen. Ein zentraler Punkt ist der bessere Datenaustausch zwischen Behörden, um Sozialbetrug im Zusammenhang mit Wohnraummissbrauch aufzudecken. Die Maßnahmen folgen gezielten Razzien in zwölf Städten, darunter Dortmund, Wuppertal und Leverkusen. Wohnungsbauministerin Ina Scharrenbach warnte, dass bis zu 25 weitere Kommunen mit ähnlichen Problemen konfrontiert sein könnten, insbesondere bei problematischen Arbeiterunterkünften.
Ein viel beachteter Fall betraf das Europahaus in Oberhausen, wo die Zustände schwere Bedenken auslösten. Das neue Gesetz baut auf den Erfahrungen aus solchen Vorfällen auf und bietet den lokalen Behörden klarere Durchsetzungsinstrumente.
Das Gesetz für faires Wohnen wird Nordrhein-Westfalen mehr rechtliche Handhabe gegen Slumwohnungen und Ausbeutung geben. Kommunen können künftig Registrierungen, Kontrollen und hohe Strafen bei Nichteinhaltung durchsetzen. Bei Annahme tritt das Gesetz noch in diesem Herbst in Kraft und markiert einen Wandel in der Regulierung von Problemimmobilien durch das Land.






