24 March 2026, 14:02

Verbotenes Ballett: Warum Nurejews Lebensgeschichte in Russland nicht mehr gezeigt wird

Vier junge Balletttänzerinnen in weißen Kleidern tanzen auf einer Bühne mit einer gemalten Kulisse aus Bäumen und Himmel in Schwarzweiß.

Verbotenes Ballett: Warum Nurejews Lebensgeschichte in Russland nicht mehr gezeigt wird

Ein Ballett über das Leben Rudolf Nurejews feierte 2017 in Moskau Premiere, ist heute in Russland jedoch verboten

Das von dem Choreografen Juri Possochow und dem Regisseur Kirill Serebrennikow geschaffene Werk zeichnet den Lebensweg des legendären Tänzers nach – von seiner Geburt 1938 bis zu seinem Tod 1993. Die russischen Behörden verboten die Aufführung 2023 mit der Begründung, sie stelle "nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen" dar, und verwiesen zudem auf die juristischen Probleme Serebrennikows.

Nurejew wurde in einem Zug des Transsibirischen Eisenbahnnetzes in der Nähe des Baikalsees als Sohn baschkirisch-tatarischer Eltern geboren. Seine frühe Ausbildung an der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad ebnete den Weg für eine bahnbrechende Karriere. Nach seiner Flucht nach Frankreich erlangte er weltweiten Ruhm, bevor er 1993 in Paris an den Folgen von Aids starb.

Das Ballett Nurejew hatte 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater Premiere. Die aufwendigen Bühnenbilder zeigten unter anderem männliche Akte alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und sogar Nachbildungen von Nurejews italienischer Insel. Den Höhepunkt bildete sein Tod, bei dem die letzten Klänge seines Lebens mit der berühmten "Schatten"-Szene aus La Bayadère verschmolzen.

Während der erste Akt das Publikum begeisterte, merkten Kritiker an, dass dem zweiten Akt trotz beeindruckender Solodarbietungen und großer Ensemblemomente die gleiche Energie fehlte. Possochow, der Choreograf, arbeitet weiterhin in Russland – trotz der Invasion in der Ukraine 2022 und der darauffolgenden internationalen Isolation des Landes.

Seit der Uraufführung hat sich das politische Klima in Russland drastisch verändert. Die Regierung übt nun strenge Zensur aus, insbesondere gegen LGBTQ+-Themen in der Kunst. Angesichts der Verurteilung Serebrennikows wegen Untreue und der schrumpfenden künstlerischen Freiheiten spiegelt das Verbot von 2023 eine breitere Unterdrückung wider. Die Versteigerung von Nurejews Nachlass 1995 und die Berliner Premiere von Nurejew beim Staatsballett im selben Jahr wirken vor dem Hintergrund der heutigen Restriktionen wie historische Fußnoten.

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Das Verbot von Nurejew steht im Einklang mit der wachsenden Zensur in Russland unter einem zunehmend autoritären Regime. Die Darstellung queerer Themen und die juristischen Probleme des Regisseurs machten das Stück zum Ziel. Angesichts der verschärften Repression drohen Werke wie dieses aus der Öffentlichkeit verschwinden.

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