16 March 2026, 00:56

Lessing-Tage in Hamburg: Ein Theaterprozess über die AfD polarisiert die Stadt

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Lessing-Tage in Hamburg: Ein Theaterprozess über die AfD polarisiert die Stadt

Hamburger Lessing-Tage enden mit gewagtem Theaterprojekt

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Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage schließen mit einem kühnen theatralischen Experiment: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Verfahren gegen Deutschland, bei dem Juristen über ein mögliches Verbot der rechtsextremen AfD beraten. Die Veranstaltung verbindet Theater mit realer politischer Debatte und setzt damit Rauhs Tradition fort, Kunst und Aktivismus zu verschmelzen.

Das 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründete Festival ist seit langem eine Plattform für provokante kulturelle Diskussionen. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird.

Rauhs Verfahren gegen Deutschland folgt keinem klassischen Theaterformat. Stattdessen leiten Juristen und Rechtsexperten – angeführt von der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin – fiktive Gerichtsverhandlungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Politik der AfD ein verfassungsrechtliches Verbot rechtfertigt – eine Debatte, die reale juristische Auseinandersetzungen widerspiegelt.

Die Produktion steht für Rauhs markanten Ansatz, wie er bereits in Werken wie Das neue Evangelium gezeigt hat, wo er die Passion Jesu mit dem Schicksal afrikanischer Geflüchteter verband. Diesmal rückt er die politische Lage in Deutschland in den Fokus: Der Prozess wird als Livestream auf der Website des Theaters übertragen.

Das Verfahren gegen Deutschland bildet den bislang politischsten Höhepunkt des Festivals. Indem Rau Schauspieler durch Juristen ersetzt, verwischt er die Grenzen zwischen Performance und öffentlichem Diskurs. Das Publikum erlebt eine Echtzeit-Debatte über Demokratie, Extremismus und die Grenzen der Meinungsfreiheit.

AKTUALISIERUNG —

Theatrales Prozess endet mit Aufruf zur AfD-Verfassungsprüfung

Das AfD-Schauprozess in Hamburgs Thalia Theater endete mit einer 5-2-Jurystimmen-Entscheidung, die eine verfassungsrechtliche Überprüfung der Partei empfahl. Wichtige Punkte aus dem Urteil:

  • Die Jury entschied, dass die AfD die Verfassung und die Menschenwürde verletzt.
  • Sie forderten das Verfassungsgericht auf, eine mögliche Verbots- und sofortige Aussetzung der Landesfinanzierung zu prüfen.
  • Der Prozess hatte Herausforderungen, darunter Zeugen, die aufgrund rechtsextremer Beteiligung an der Produktion zurücktraten.