Wiesbadens Gastronomie behält Steuerersparnis ein – trotz sinkender Mehrwertsteuer

Moritz Müller
Moritz Müller
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Ein altes Buch mit einer Zeichnung eines Brasserie-Restaurants und einem Text über seine Angebote.Moritz Müller

Wiesbadens Gastronomie behält Steuerersparnis ein – trotz sinkender Mehrwertsteuer

In Wiesbaden haben Restaurants, Bars und Cafés seit der Senkung des Mehrwertsteuersatzes im Januar 2025 keine Preissenkungen vorgenommen. Stattdessen ist das Essen außerhalb der eigenen vier Wände im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 % teurer geworden – trotz der Steuersenkung von 19 % auf 7 % bei Lebensmitteln. Die Entwicklung hat eine Debatte ausgelöst, wer von der Reform tatsächlich profitiert: die Betriebe oder die Kunden.

Seit Beginn des Jahres haben rund 620 Gastronomiebetriebe in Wiesbaden die Steuerersparnis nicht an die Gäste weitergegeben, sondern behalten. Ein klassisches Gericht wie ein Schnitzel kostet weiterhin denselben Preis wie zuvor, während der Restaurantbesuch insgesamt teurer geworden ist. Ähnliche Trends zeigen sich bundesweit: In Bayern etwa stiegen die Preise im selben Zeitraum um 3,9 %.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Hessen (DEHOGA) verteidigt das Vorgehen und bezeichnet die Mehrwertsteuersenkung als notwendige Korrektur für mehr Steuergerechtigkeit. Robert Mangold, Präsident des DEHOGA Hessen, betont, dass die zusätzlichen Einnahmen in die Weiterbildung der Mitarbeiter, Qualitätsverbesserungen und Arbeitsplatzsicherheit fließen würden. Allein in Wiesbaden beschäftigt die Branche etwa 7.200 Menschen – von Köchen über Servicekräfte bis hin zu Rezeptionisten.

Kritiker hingegen sehen weder für Kunden noch für Beschäftigte einen Vorteil. Hendrik Hallier, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Rhein-Main, wirft einigen Gastronomen schlichtweg Profitgier vor. Er verweist darauf, dass Betreiber bei jedem ausgegebenen 10-Euro-Schein durch die Steuersenkung 95 Cent mehr einbehalten. Die Gewerkschaft macht zudem darauf aufmerksam, dass der aktuelle Tariflohn für Fachkräfte in Hessen bei 16,74 Euro pro Stunde liegt – und fordert die Betriebe auf, sich an die vereinbarten Lohnstandards zu halten.

Die reduzierte Mehrwertsteuer hat weder in Wiesbaden noch in anderen Teilen Deutschlands zu günstigeren Mahlzeiten geführt. Während die Betriebe steigende Kosten als Grund für stabile Preise angeben, drängen Gewerkschaften auf eine fairere Lohnverteilung. Da die Kunden keine spürbare Entlastung erfahren, bleibt die Diskussion über die tatsächlichen Auswirkungen der Steuerreform weiter kontrovers.

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