Elektronische Patientenakte bleibt in Deutschland ein Nischendasein – warum Ärzte und Patienten zögern

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Ein Arzt in Weiß erklärt eine CT-Scan-Maschine zwei Personen in dunklen Anzügen, die aufmerksam zuhören.Admin User

Elektronische Patientenakte bleibt in Deutschland ein Nischendasein – warum Ärzte und Patienten zögern

Elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland: Kaum Nutzung trotz flächendeckender Einführung

Seit Ende April ist die elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland verfügbar – doch die Resonanz bleibt verhalten. Zwar erhielten fast alle Versicherten automatisch eine Akte, doch nur ein kleiner Teil nutzt sie aktiv. Sowohl Ärzte als auch Patienten in Hessen und anderen Bundesländern zeigen sich bisher wenig überzeugt von den Vorteilen des Systems.

Durch das Opt-out-Modell wurden rund 70 Millionen Versicherte mit einer ePA ausgestattet, wobei nur 5 bis 7 Prozent bewusst darauf verzichteten. Trotz der breiten Verteilung bleibt die aktive Nutzung jedoch gering: Schätzungen zufolge liegen die registrierten Gesundheits-IDs bei 6 Prozent (4,2 Millionen) bis maximal 20,3 Prozent der Nutzer, wie Zahlen von Dezember 2025 zeigen. Eine Umfrage im November ergab zwar, dass 45 Prozent der Befragten planten, die ePA innerhalb von sechs Monaten zu nutzen – in der Praxis jedoch wird sie in Arztpraxen kaum thematisiert. Nur 15 Prozent der Patienten sprechen mit ihren Ärzten darüber.

Die ePA bietet Funktionen wie einen Medikationsplan und digitale Impfausweise, doch nur wenige Patienten rufen ihre Daten ab oder aktualisieren sie. Auch für Ärzte hat das System bisher kaum praktischen Nutzen. Im Universitätsklinikum Frankfurt etwa hat die ePA fünf Monate nach dem Start kaum Spuren hinterlassen. Viele Mediziner greifen weiterhin auf den klassischen Postweg zurück, da unklar ist, ob die digitale Akte alle relevanten medizinischen Informationen enthält. Die Kritik fällt deutlich aus: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung bezeichnete die aktuelle ePA als "Desaster" und "nutzlos".

Um die Akzeptanz zu steigern, ist für Oktober eine öffentliche Aufklärungskampagne geplant. Ab dem 1. Oktober sind Ärzte zwar verpflichtet, die ePA zu nutzen – Sanktionen bei Nichteinhaltung gibt es jedoch nicht. Die Krankenkassen hoffen, dass eine vereinfachte Registrierung langfristig zu einer höheren Nutzung führt.

Ob die ePA sich durchsetzt, hängt nun davon ab, ob der Oktober-Anschub passive Konten in aktive Nutzung verwandeln kann. Mit der verpflichtenden Teilnahme der Ärzte steht das System vor einer ersten Bewährungsprobe. Bisher vertrauen die meisten Patienten und Behandler weiterhin auf bewährte Methoden – und warten ab, ob die digitale Wende spürbare Vorteile bringt.

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