Europäisches Nachlasszeugnis verweigert: Warum ein Erbschein nicht immer reicht
Europäisches Nachlasszeugnis verweigert: Warum ein Erbschein nicht immer reicht
Europäisches Nachlasszeugnis nicht erteilt
Trotz zuvor ausgestellten Erbscheins: Widerspruch im Berufungsverfahren verhindert Erteilung eines Europäischen Nachlasszeugnisses
- Dezember 2025, 09:50 Uhr
Schlagwörter: Finanzen, Wirtschaft
Ein deutscher Erbstreit hat zu einer wegweisenden rechtlichen Entscheidung über Europäische Nachlasszeugnisse geführt. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main urteilte, dass Einwände – selbst nach Erteilung eines nationalen Erbscheins – die Ausstellung eines Europäischen Nachlasszeugnisses blockieren können. Der Fall betrifft einen verstorbenen deutschen Staatsbürger mit Vermögen in Polen und einem umstrittenen Testament.
Der Verstorbene, ein deutscher Staatsangehöriger, hinterließ eine Ehefrau, einen bereits verstorbenen Sohn und zwei Töchter. Im Jahr 2001 verfasste er ein neues Testament, in dem er eine Stieftochter als Alleinerbin einsetzte. Nach seinem Tod beantragte diese designierte Erbin (Partei 1) ein Europäisches Nachlasszeugnis und erhielt einen deutschen Erbschein.
Eine andere Partei (Partei 2) focht jedoch die Gültigkeit der Erbschaft an. Das Nachlassgericht lehnte daraufhin den Antrag auf das Europäische Nachlasszeugnis wegen des Widerspruchs ab. Partei 1 legte Berufung ein, doch das Oberlandesgericht bestätigte die Ablehnung.
Das Gericht stellte klar, dass Einwände die Erteilung eines Europäischen Nachlasszeugnisses verhindern, sofern keine rechtskräftige Entscheidung vorliegt. Selbst einfache Ermittlungsmaßnahmen können diese Regel nicht außer Kraft setzen. Der Senat ließ jedoch eine Revision zu, sodass die endgültige Entscheidung noch aussteht.
Die Entscheidung unterstreicht, dass ein nationaler Erbschein nicht automatisch die Erteilung eines Europäischen Nachlasszeugnisses garantiert, wenn Widersprüche erhoben werden. Der Fall zeigt zudem die Komplexität grenzüberschreitender Erbstreitigkeiten, insbesondere wenn Immobilien in einem anderen EU-Land betroffen sind. Das endgültige Ergebnis hängt von weiteren rechtlichen Schritten ab.
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