"Komische Vögel": Wie Ornithologie und NS-Geschichte auf der Bühne kollidieren
"Komische Vögel": Wie Ornithologie und NS-Geschichte auf der Bühne kollidieren
"Komische Vögel" – Ein Stück über Vogelbeobachtung, NS-Wissenschaft und kulturelle Politik
Ein neues Theaterstück mit dem Titel Komische Vögel fordert sein Publikum mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Vogelbeobachtung, NS-Wissenschaft und modernen Kulturdebatten heraus. Inszeniert von Vanessa Stern, Verena Unbehaun und Mira Partecke, verbindet die Produktion scharfen Humor mit beunruhigenden historischen Bezügen – darunter die Umbenennung einer Vogelart während der Zeit des Nationalsozialismus.
Das Stück taucht ein in die skurrile Welt der Vogelbeobachter und hinterfragt, was ihre Leidenschaft antreibt. Auf der Bühne dominieren ausgeklappte fünfstufige Leitern, während einige Darstellerinnen in kostümierten Vogelverkleidungen agieren. Diese absurden Bilder stehen im Kontrast zu düsteren Themen, etwa der Rolle der Ornithologie im Dritten Reich.
Im Mittelpunkt steht Günther Niethammer, ein SS-Mitglied und Ornithologe, der in Auschwitz tätig war. 1937 benannte er das Teichhuhn von Fluss-Huhn in Thors Huhn um – eine Anspielung auf den roten Stirnschild der Art, den er mit Thors Hammer verband. Sein Werk Leitfaden der Vögel propagierte "nordische" Bezeichnungen als Teil des NS-Bestrebens, jüdische und fremde Einflüsse aus der Wissenschaft zu tilgen. Ähnliche Umbenennungen betrafen etwa den Adler, der durch "germanischere" Begriffe ersetzt wurde.
Doch das Stück geht über historische Aufarbeitung hinaus und nimmt auch die heutige Kulturlandschaft ins Visier. Angesichts der angekündigten Kürzungen im Berliner Kunstetat für 2026/2027 kommentiert die Inszenierung die prekäre Finanzierungssituation – stets mit absurdem Witz und situativer Komik, die die Stimmung auflockern. Die drei Schauspielerinnen bewegen sich mit Esprit durch diese Themen, ohne auf klassische Erzählstrukturen zurückzugreifen.
Komische Vögel kehrt für drei weitere Vorstellungen am 21., 22. und 23. November ins TD Berlin zurück.
Die Produktion vereint Ornithologie, NS-Pseudowissenschaft und aktuelle Debatten über Kulturförderung zu einem einzigen, zum Nachdenken anregenden Erlebnis. Wer es verpasst hat, kann es noch in diesem Monat sehen – ein Stück, das weiterhin Gespräche über Geschichte, Kultur und die Eigenheiten menschlichen Verhaltens anregt.
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